Wenn die Puppen tanzen
Bei polyglotten Opernautoren wird die «Originalsprache» ungeachtet aller Übertitelungs-Fertigkeiten doch zum Problem. Zum Beispiel bei den frühen, außerhalb Russlands gestarteten Opernvorhaben Sergej Prokofjews wie dem «Feurigen Engel», der «Verlobung im Kloster» oder der «Liebe zu drei Orangen». Dieses buffoneske Märchen wurde 1921 in Chicago uraufgeführt, ist aber unverkennbar geprägt von der Theaterhandschrift des russischen Mit-Librettisten W. E. Meyerhold. Und es lebt und webt in der Sphäre des Commedia dell’arte-Erben Carlo Gozzi.
Italienisch, russisch, englisch? Das Nationaltheater zerhieb den gordischen Knoten der Sprachbedenklichkeiten und präsentierte das Werk auf Deutsch in einer (in erster Linie von der russischen Fassung inspirierten) Neuübersetzung von Werner Hintze, die dem Stück ein Optimum an Wortwitz und Skurrilität zuzumessen trachtet. Prokofjews international populäre Oper gehört wohl doch zu jenen Werken (wie «Zauberflöte» oder «Verkaufte Braut»), die um der prompten Wahrnehmung willen an die Verwendung der jeweiligen Landessprache appellieren.
Ganz elementar vom vorsprachlichen Spontan-Laut zehrt aber die berühmteste Szene der «Orangen»-Oper, wenn der lange in ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Hans-Klaus Jungheinrich
Christof Loys ausgefeilt-stimmige Züricher Inszenierung von Bellinis romantischem Melodramma «La straniera» (siehe OW 8/2013), von der man hoffen möchte, dass sie dem zu Unrecht vernachlässigten Stück einen ähnlichen Innovationsschub gibt wie Jossi Wielers und Sergio Morabitos wegweisende Stuttgarter «Norma» 2002, hat – mit gänzlich neuer Besetzung – das Essener...
Franz Mazura – der Sänger-Schauspieler» – so lautet der Titel einer Festschrift, die zu seinem 80. Geburtstag erschien. Das trifft den Sachverhalt in doppeltem Sinne. Denn Mazura, 1924 in Salzburg geboren, war während der letzten sechs Jahrzehnte nicht nur einer der wichtigsten singenden Darsteller auf der Opernbühne, er war – und das kommt nur selten vor – Sänger...
Wie «Les Troyens» gehört auch «Benvenuto Cellini» zu den Schmerzenskindern der Operngeschichte. Während die «Trojaner» inzwischen zu Recht als eines der großen Musiktheaterwerke des 19. Jahrhunderts gelten, hat es Berlioz’ 1838 uraufgeführte erste Oper «Benvenuto Cellini» weiterhin schwer. Warum, machte die Aufführung in Münster wider Willen deutlich. Libretto und...
