Zurück nach St. Petersburg, ab ins Irrenhaus
Den Eigenwilligkeiten des modernen Regietheaters, die längst auch die Oper überfallen haben, bieten hier und da Gegenkräfte die Stirn. Eine dieser Gegenkräfte trägt den Namen Peter Stein. Die einstige Lichtfigur des deutschen Schauspiels, mit der sich der inzwischen verblasste Ruhm der Berliner Schaubühne verband, beharrt für die Oper auf dem, was man gemeinhin Werktreue nennt. Stein lehnt es ab, einer Oper eine Interpretation gewaltsam aufzupfropfen, was man dann gern als Aktualisierung ausgibt.
Drei signifikante Beispiele für Steins Regiekunst auf der Opernbühne bot in den letzten Spielzeiten die Opéra de Lyon. Dort inszenierte er die drei Puschkin-Titel Tschaikowskys: «Mazeppa», «Eugen Onegin» und jetzt zum Abschluss «Pique Dame». Tendierte «Mazeppa» durch einen bemühten Historismus unfreiwillig zum Opernschinken, überzeugte «Eugen Onegin» umso mehr durch eine differenzierte, sensible Personengestaltung, die das seelische Quidproquo der Figuren aus der Psychologie jener Zeit ableitete, in der die Handlung spielt.
In Prinzip folgt Steins «Pique Dame» der vorangegangenen Arbeit. Auch hier wieder in Kostüm und Bildern ein genau gezeichnetes Gesellschaftsbild, das nicht pingelig ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Mike Svobodas «Der unglaubliche Spotz» in Freiburg
«Gleich beginnt die Oper. Bitte nehmen Sie Ihre Plätze ein», flüstert es durch die Lautsprecher im Werkraum des Freiburger Theaters. Einige Grundschulklassen sind an diesem Morgen mit ihren Lehrern zur Aufführung von Mike Svobodas Kinderoper «Der unglaubliche Spotz» gekommen – und vieles ist anders als sonst im...
Man hätte schon gern gewusst, wie das klingt: Der Katastrophenakkord des Don Giovanni auf der E-Gitarre: herausgerissen aus klassischer Beschaulichkeit, hart hingefetzt, mit dem typisch wimmernden Nachhall? Hölle, Tod und Teufel? Leider erfährt man es nicht, denn der Typ, der mit Puderperücke und umgehängter Stratocast zu Beginn der Ouvertüre bei offenem Vorhang...
Die Partitur von Emmanuel Nunes’ Oper «Das Märchen» hat 687 Seiten und ist mehr als einen Meter hoch. Trotzdem sind die Notenzeilen fast nur mit der Lupe zu lesen. Kaum passt auf eine Seite, was da alles gleichzeitig erklingen soll. Zur Besetzung des Orchesters gehören allein zwölf Flöten, die von vier Spielern bedient werden. Aus der Klarinettenfamilie werden...
