Juan Diego Flórez: «Mozart», Orchestra La Scintilla, Riccardo Minasi; Sony 88985430862 (CD); AD: 2017
Mit Feingefühl und Feuer
«Mozart … The supreme decorator». So lautete der Titel einer Arien-Anthologie, mit der Charles Mackerras zeigte, wie Mozart seine Musik auszierte; zum einen, um junge Sängerinnen in die Gesangskunst einzuweisen, zum anderen, um «die Expressivität oder die Brillanz einer Arie durch eine sinnvolle Hinzufügung zusätzlicher Noten, Effekte und Kadenzen zu steigern». Weilte Sir Charles noch unter den Lebenden, könnte man vermuten, dass er, oft als «Mr.
Appoggiatura» bezeichnet, für die zehn Arien, die Juan Diego Flórez für seine erste Mozart-CD ausgewählt hat, die scheinbar tollkühnen Auszierungen erdacht hat.
Mit welcher Stimme nähert sich Flórez, inzwischen 44 Jahre alt, den Figuren Mozarts, die, abgesehen von Idomeneo und Tito, im Jünglingsalter stehen? Immer noch mit einer Jünglingsstimme ohne jede Spur von Verschleiß. Sie ist – über den von Mozart geforderten, von ihm oft erweiterten Umfang (dazu später mehr) hinaus – sauber verblendet und randscharf fokussiert. Die tiefen Töne der ersten Oktave sind nicht mehr hauchig überschattet, die des Passaggio klangvoll, die hohen leuchten wie eine Barocktrompete. Besonders bemerkenswert: Flórez hat das dynamische Spektrum erweitert, gerade ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Dezember 2017
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Jürgen Kesting
Seit zehn Jahren leitet Stefano Mazzonis di Pralafera das Opernhaus in Liège. Er ist gebürtiger Italiener und gelernter Opernregisseur. Sein künstlerisches Credo passt in einen Satz: «Wir sind ein italienisches Opernhaus in Belgien.» Auf dem Spielplan stehen Verdi, Puccini, Belcanto, manchmal Raritäten. Das Haus, in der laufenden Saison zu 100 Prozent (!)...
Die Orte sind unterschiedlicher nicht denkbar. Hier der pittoreske Musentempel, ehedem ein Schauspielhaus, vor einer halben Ewigkeit bereits zum Konzertsaal umfunktioniert. Dort eine Kirche, altehrwürdig, sowie ein ehemaliges Fitnesscenter. Keine Gemeinsamkeiten, nirgends. Auch nicht, was die Stoffe angeht. Shakespeare und die Bibel kann man kaum zusammendenken....
Um «Don Giovanni» grundstürzend neu zu hören, muss man nicht zu Teodor Currentzis in den Ural oder zu Jérémie Rhorer nach Aix reisen. Heidelberg tut’s auch. Was Elias Grandy und sein Orchester dort aus der Oper aller Opern herauskitzeln, putzt auf ähnlich atemberaubende Weise die Ohren aus, lässt uns Mozarts Musik ganz neu hören. Grandy schärft die dynamischen...
