Wie klingt eine dystopische Gesellschaft?
Zu erwarten war der Flop nicht. Sebastian Baumgarten kann ein ernsthafter, ein bisschen abgehobener Hinterfrager sein, jemand der wirklich zu Inhalten durchdringen will und nicht bloß Plots aufmöbelt. Auf diese Weise ist ihm – nur ein Beispiel – in Kassel ein hellhöriger «Rosenkavalier» gelungen. Nix Happy End. Octavian und Sophie hatten so zuckersüße Grillen im Kopf, wie sie per Celesta und Harfe aus dem Orchestergraben stiegen. Jeder wusste, dass es mit den beiden nicht lange gutgehen würde. Statt Rokoko-Plüsch eine Diagnose vom Verfall emotionaler Sicherheiten.
Ein Stück über den Kreislauf von Begehren und Verlassen. Ein Fund. Auch Thomas Hengelbrock ist ein Mann für Funde. Letztes Jahr korrigierte er im Dortmunder Konzerthaus mit «Norma» eingeschliffene Hörerwartungen. Die Proportionen des Stücks traten neu und anders hervor. Bellini hatte plötzlich mehr mit Haydns «Schöpfung» zu tun als mit dem Verismo, in dessen Geist er lange malträtiert wurde. Akustisch sinnfällig war auch, was man längst weiß, aber eben nie hört: dass Wagner viel vom Kollegen gelernt, sogar geklaut hat. Etwa für das Vorspiel zum dritten Akt des «Tannhäuser». Baumgarten und Hengelbrock: zwei, die zueinander ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Stephan Mösch
ARTE
1./7./13./19.9. – 6.00 Uhr
Beethoven: Hammerklaviersonate.
Verbier Festival 2008. Jean-Frédéric Neuburger.
2./8.9. – 6.00 Uhr
Annette Dasch und die Gretchenfrage.
Konzert mit ausgewählten Arien aus dem Herkulessaal der Münchner Residenz. Münchner Rundfunkorchester, Marc Piollet.
4.9. – 6.00 Uhr
19.9. – 5.00 Uhr
Die nächste Generation.
Film von Mark Kidel über Alfred...
Was für ein verrückter Festspielssommer. Übergänge prägen ihn – und Diffusitäten. Europas drei wichtigste Opernfestivals liegen diesbezüglich vorne. Anfang und Innovation sind überall gewollt. Doch die Selbstverortung ist schwieriger denn je. Können Festspiele überhaupt noch Perspektiven öffnen? Oft in diesem Sommer dachte man: Alles läuft. Aber nichts geht.
Stichwo...
Wie jeden Sommer machte in Siena auch in diesem Jahr vor allem der «Palio» die Musik, ein Pferderennen mitten in der Stadt, auf der Piazza del Campo. Mit beeindruckenden Sieges- und Schmähgesängen feierten die Bewohner des Stadtteils Nobile Contrada dell’Oca (zu deutsch: das Viertel der Gans) den Triumph «ihres» Jockeys Giovanni Atzeni und seines Hengstes...
