Tonfilm ohne Leinwand?
Konzertante» Aufführungen von Opern hat es immer gegeben: zunächst vor allem im privaten Rahmen wie noch bei der einzigen Wiener Aufführung des «Idomeneo» zu Mozarts Lebzeiten. Oder im Umgang mit avantgardistischen Werken wie 1874 bei der ersten Wiener (Teil-)Aufführung von Wagners «Die Walküre» mit zwei Klavieren. Ähnlich, als sich das offizielle Paris verweigerte und deshalb 1887 Charles Lamoureux mit der Erstaufführung von «Lohengrin» in die Bresche sprang.
Immer wieder auch in Ausbildungsstätten und wenn Renovierungsarbeiten, Streiks oder zerstörte Spielstätten Notlösungen erzwangen.
Durchgesetzt haben sich regelmäßige Aufführungen von Opern in Theatergebäuden jedoch erst im letzten halben Jahrhundert. Vorreiter scheint Herbert von Karajan bei den Salzburger Festspielen gewesen zu sein – wohl kaum zufällig genau zeitgleich mit der Durchsetzung der Langspielplatte, also der Gewöhnung des Publikums an die Isolierung des «rein» Musikalischen in der Oper.
In den letzten Jahren ist aus der Notlösung ein Standard geworden, wenn auch nicht überall. Die Deutsche Oper Berlin programmiert jährlich mehrere «konzertante» Produktionen, die Deutsche Oper am Rhein keine einzige, es sei denn, ...
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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Magazin, Seite 87
von Anselm Gerhard
Die Caracalla-Thermen in Rom haben schon einiges erlebt. Ihr Erbauer Kaiser Caracalla – er regierte im dritten Jahrhundert und hieß eigentlich Lucius Septimius Bassianus – ging als Terrorregent in die Geschichte ein. Im sechsten Jahrhundert zerstörten die Goten die Wasserzufuhr und machten dem Badebetrieb ein Ende. Renaissance-Päpste brachen die Marmorverkleidung...
Wenn auf der Opernbühne jemand Karten spielt, bedeutet das meist nichts Gutes. Carmen zum Beispiel sieht plötzlich den Tod auf sich zukommen. Bei Hermann in «Pique Dame» geht es um die Sucht nach dem Spiel – und ebenfalls um den Tod. Auch in der neuen Oper von Seppo Pohjola wird mit Karten gespielt. Es geht aber nicht um den Tod, sondern um einen dramaturgischen...
Kennen Sie Méhul? Vor hundert Jahren hätte sich auch im deutschsprachigen Raum jeder Opernliebhaber an die biblische Oper «Joseph» erinnert; noch 1920 richtete Richard Strauss höchstpersönlich diese Partitur aus dem Jahr 1807 für die Dresdner Staatsoper ein. Das erfolgreichste Werk des aus dem französisch-belgischen Grenzgebiet stammenden Komponisten liegt seit...
