Impotente Egomanen

Mussorgsky: Chowanschtschina Gent / Vlaanderen Opera

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Manche Bühnenwerke treffen den Geist unserer Zeit, ohne sich mit dem Zeitgeist gemein zu machen. So betrachtet, erscheint Modest Mussorgskys Geschichtspanorama «Chowanschtschina» als die Oper der Stunde. Schon vor über hundert Jahren nämlich zeigte dieses gewaltige Fragment politische Entwicklungen auf, die sich im Russland von heute nahtlos fortsetzen und die Welt aufs Neue in Atem halten. Vermutlich ist es kein Zufall, dass das Stück derzeit an drei grundverschiedenen Häusern im Westen gezeigt wird, in Wien (siehe Seite 46), in Stuttgart und an der Flämischen Oper.

David Aldens Inszenierung für das Doppelinstitut Antwerpen-Gent, die in Koproduktion mit der English National Opera entstand, streicht diesen Punkt exemplarisch heraus: Geschichte ist kein diffuses Wabern des Weltgeistes, sondern immer das Werk von «Machern», die dafür Verantwortung tragen. Parallelen zu den Umtrieben aktueller russischer Potentaten drängen sich folglich auf an diesem Abend.

Und was sind das für zerlumpte Gestalten, die Mussorgsky hier in kühner Zusammenschau versammelte: Egomanen allesamt, nur der eigenen Sache verpflichtet; das Schicksal ihres Landes ist ihnen herzlich egal, allen Lippenbekenntnissen ...

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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Christian Wildhagen

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