Rasend ratlos
Wie umgehen mit diesem heiklen Dramma serio per musica, das da 1791, in Mozarts Todesjahr, noch rasch als «Krönungsoper» für Leopold II. – ein Auftrag aus Prag – erledigt werden wollte? Pietro Metastasios vielfach erprobtes Sujet war vorgegeben. Der römische Kaiser Titus, beileibe kein mildtätiger Herrscher, lässt nach Liebesintrige und Mordkomplott Gnade vor Recht ergehen, was dem damals aktuellen Anlass sonnenbeschienenen Huldigungscharakter geben sollte.
Mozart freilich entzündete quasi subkutan in wundersam gelichteter Faktur das scharfe, klare Licht der Aufklärung und rühmte sich, dass er seinem Textbearbeiter Caterino Mazzolà eine «vera opera» abgerungen habe.
Unlängst arbeiteten sich parallel zwei österreichische Bühnen an «La clemenza di Tito» ab. In Linz wählte man erstmals in Österreich die aus dem Jahr 2002 stammende Fassung mit den klangintensiv, aber auch ziemlich umständlich auskomponierten Rezitativpassagen von Manfred Trojahn. In Klagenfurt, dem weit intimeren Haus, beließ man es bei der von Hammerklavier und Cello agil gestützten herkömmlichen Rezitativform – was allein eine straffere Dramaturgie sicherte.
Die Linzer Version entpuppte sich als problematisch. ...
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Opernwelt Januar 2019
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Karl Harb
Auf dem Boulevard nachts um halb eins. Eine illuster-sinistre Männerrunde hat sich versammelt, Studenten sind’s, dem Anschein nach aus gehobenem Hause, die seidenschwarzen Paletots und eleganten Zylinder verraten aristokratische Herkunft. Ganz gegenteilig aber die Gesinnung der feinen Herren. Sie sind gekommen, um bei «Lutter & Wegner» ihre Kehlen zu kühlen und...
Macbeth trauert um seine Tochter. Fixiert auf den Verlust, hält er fetischhaft an Ballon, Schaukel und Dreirad der Toten fest. Kinderlosigkeit und destruktive Verzweiflung sind die fatale Triebfeder für Machtgier, Königsmord, die Spirale politischer Gewaltverbrechen. Das jedenfalls behauptet der Regisseur Damiano Michieletto. Er dichtet der Titelfigur in Verdis...
Das Bild könnte trostloser kaum sein: eine junge Braut, allein am lieblos gedeckten Tisch, im hochgeschlossenen, schwarzen Kleid, mit bleichen Wangen, den Blick ins Irgendwo gerichtet. Wie eine leere Hülle sitzt da die schöne Jenufa, schutzlos und scheu, aber es scheint, als würde sie von dem, was um sie herum geschieht, gar nichts mehr mitkriegen. Als sei sie...
