Apokalypse in Amerika
In grünen Laborkitteln und mit Schutzbrillen bewehrt fummeln die Nornen hilflos an den Kabeln irgendeines Computernetzwerks herum; Gutrune lümmelt mit Hagen auf einem Bett und versucht, dem Fernseher mit einer kaputten Fernbedienung ein Bild zu entlocken; Brünnhilde hat zwei linke Füße und wird – in unförmigem Abendkleid wie eine Bauersfrau wirkend, die sich für den Gouverneursball aufgetakelt hat – von Gunther in einen Saal aus Glas und Stahl geschleppt; die Rheintöchter erwarten Siegfried in einer von Plastik-Wasserflaschen überquellenden Schlucht; zur Schlusskadenz pflanzt ein k
leines Mädchen einen Baum. Solcherart sind die Bilder, die Francesca Zambellos neue «Götterdämmerung» prägen. Ganze sechs Spielzeiten hat es gedauert, bis Zambellos «Ring», als Kooperation zwischen Ost- und Westküste angelegt, vollendet war. Das Ergebnis indes wirkt, als hätte man ihn in sechs Wochen zusammengeschustert: hölzern die Personenregie, Ensemblekultur nur andeutungsweise erkennbar, die Löcher in der Handlung mit massenhaft Bühnennebel und Videomaterial gestopft.
Von Aufschüben, Personalwechseln und finanziellen Engpässen gebeutelt, hatte die Washington National Opera das Projekt 2006 mit dem ...
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Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 43
von Matthew Gurewitsch
Wagner-Opern als Freilichtaufführungen sind selten, denn die Musik verliert dabei fast immer. Wo elektronisch verstärkt und übertragen wird, gehen nicht nur Unmengen an Feinheiten flöten, sondern auch das räumliche Hören. Umgekehrt werden Fehler und Schwächen gnadenlos offengelegt. Trotzdem war «Rienzi» beim Meininger Theatersommer schon deshalb ein Erlebnis, weil...
Eugen Onegin» als Tragödie verfehlten Lebensglücks: So sieht Stefan Herheim Tschaikowskys Szenenfolge, mit der er an der Nederlandse Opera im Rahmen des Holland Festivals debütierte. Das Concertgebouworkest mit seinen überirdisch schönen Hörnern saß im Graben, Mariss Jansons dirigierte. Eine Luxusbesetzung. Manches Bild schärfte die Ohren wie der vorher in dieser...
In Essen sprach Barrie Kosky nur das Schlusswort zur dortigen «Ring»-Produktion (die sich vier Regisseure teilten), in Hannover gehörte die Geschichte ihm ganz allein. Als er in Hannover antrat, hatte er in Essen schon unterschrieben – und versprach, zwei verschiedene Sichtweisen auf der Götter Ende zu präsentieren. Daraus wurde dann nichts, aber das muss...
