Farben ohne Form
Simon Boccanegra» gehört, wie «Macbeth» und «Don Carlos», zu den experimentellen Opern Verdis und hat wie diese erst nach einer gründlichen Überarbeitung seine endgültige Gestalt gefunden. Das Werk enthält keine eingängigen, populären Melodien, zudem erschwert eine krause Handlung die Rezeption. Abramo Basevi, Autor der ersten Verdi-Monografie, will das Libretto sechsmal gelesen haben, ehe er verstand, was vorgeht. «Das Stück», so Verdi, «ist düster, weil es düster sein muss, aber es ist fesselnd.
» Um diesen fesselnden Kern freizulegen, bedarf es nicht nur überzeugender Sängerdarsteller, sondern vor allem eines Dirigenten, der das musikalische Drama erfasst und gestaltet.
Und daran hapert es bei der neuesten, aus dem litauischen Kaunas kommenden Gesamtaufnahme. Zwar spielt das dortige Städtische Sinfonieorchester durchaus kompetent – vor allem die Soli von Oboe und Klarinette ragen heraus –, wird von seinem amerikanischen Chefdirigenten Constantine Orbelian aber allzu rigide auf eine begleitende Funktion reduziert. Selbst ein dramatischer Höhepunkt wie die große Ratsszene mit der abschließenden Selbstverfluchung des Intriganten Paolo verpufft. An die Genauigkeit, ...
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Opernwelt Dezember 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 24
von Uwe Schweikert
Damals, 1836 in Sankt Petersburg, gab es nach dem Polenakt keinen Applaus. Trotz der prächtigen Tänze und Gesänge, mit denen Michail Glinka ihn in seiner neuen Oper servierte. Die Polen hatten schließlich erst sechs Jahre zuvor versucht, den russischen Zaren loszuwerden, der ihnen vom Wiener Kongress als König vorgesetzt worden war. Jetzt saß Nikolaus I. im...
Das Stück zieht sich immer wieder die Maske eines verbindlichen Lächelns über. Doch dahinter zeigt Monteverdis Altersoper «L’incoronazione di Poppea» ihr wahres Gesicht – und das trägt die Züge von Willkür, Tücke, Zynismus, Grausamkeit. Ein weit angelegter Bilderbogen menschlichen (Miss-)Verhaltens aus der Perspektive des Eros. Dabei versagt sich das Werk – mancher...
Die Offenbach-Produktion, mit der Simone Young im Herbst 2014 ihre letzte Hamburger Spielzeit eröffnete, war ein großer Publikumserfolg (siehe OW 12/2014). Die Veröffentlichung auf DVD ist eine willkommene Alternative bzw. Ergänzung zu der Pariser Produktion (2000) unter Marc Minkowski und Laurent Pelly (Arthaus). Das französische Duo Renaud Doucet (Regie und...
