Mozart: Die Entführung aus dem Serail

Amsterdam, Mozart: Die Entführung aus dem Serail

Opernwelt - Logo

Mit dem Serail als Fluchtort erotischer Fantasien hat Johan Simons nicht viel im Sinn: Von der ganzen Türkenpracht ist in seiner Inszenierung von Mozarts «Entführung» nur eine schäbige Kulisse geblieben – und selbst die kracht am Ende noch zusammen. In einem heruntergekommenen Boulevardtheater lässt der niederländische Schauspielregisseur und künftige Leiter der Münchner Kammerspiele die entführten Bräute Konstanze und Blondchen landen.

Ein Ort, an dem keine Liebesdienste, sondern das Mitspielen in einem läppischen Stück verlangt werden, das auch den intelligenteren Bühnenmuselmanen wie dem Bassa Selim schon längst zum Hals heraushängt. Kein Wunder, dass Konstanze damit liebäugelt, auszusteigen und lieber mit dem Langeweiler Belmonte anzubandeln. Besonders weit führt diese Grund­idee von Simons zweiter Opern­arbeit leider nicht: erstens, weil auch ohne provokative Kunstpausen und über­drehte Deklamation jeder weiß, dass die Textvorlage der «Entführung» nicht gerade ein Text von Schiller-Format ist, und zweitens, weil das Stück ja ohnehin nicht wegen dieser Verse, sondern wegen der Musik gespielt wird.
Und die wird an der Amsterdamer Oper fatal verkleinert: Der frustrierten ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2008
Rubrik: Kurz berichtet, Seite 50
von Jörg Königsdorf

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wucht, Würde, Weitsicht

«Die Soldaten» wiedergehört. Ohne Szene. Das Stück läuft ja bei der RuhrTriennale mit riesigem Erfolg und wird in der Bochumer Jahrhunderthalle ständig wiederaufgelegt. Auch bei Willy Decker in Dresden war es ein Erfolg, ebenso bei Harry Kupfer in Stuttgart, Hans Neuenfels in Berlin. Vielleicht geht es den «Soldaten» so wie Debussys «Pelléas»: Das Stück wird wenig...

Aus dritter Hand

Die Castorf-Epigonen gehen um. Zwei lebendige Momente hatte Benedikt von Peters Inszenierung von Händels «Teseo» (1713) an der Komischen Oper immerhin: Der eine ereignete sich nach fünfundvierzig Minuten, als zu den Klängen der feierlichen ­Ouvertüre der Eiserne Vorhang hochfuhr und den Blick auf das verregnet-morastige Schlachtfeld vor Athen freigab. Die Ouvertüre...

Bellini: Norma

«Norma» ist in Regensburg eine Sänger­oper, was Georgios Vranos mit dem gleichermaßen kraftvoll aufspielenden wie geschmeidig begleitenden Philharmonischen Orchester unterstreicht. Die Solis­ten nutzten alle Möglichkeiten, ihre Qua­litäten in den Dienst der Tragödie zu stellen. Christina Lamberti trumpfte mit tragender Stimme auf. «Casta diva» begann sie...