Unternehmen Titanic

Nach Jahrzehnten des Sparens steht den Theatern in Mecklenburg-Vorpommern das Wasser bis zum Hals. SPD-Kulturminister Mathias Brodkorb verlangt dennoch, dass die fünf Mehrspartenhäuser des Landes bis 2020 weitere 12,5 Millionen Euro aus ihren Etats heraus­pressen – oder sich zusammenlegen lassen. Eine Inspektionsreise durch den Nordosten Deutschlands

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Wenzel Strapinski kann es gar nicht fassen: Die Bewohner des Städtchens Goldach halten ihn tatsächlich für einen Grafen! Dabei ist er doch nur ein armes Schneiderlein. Sicher, er trägt einen edlen Mantel – doch der ist sein einziger Besitz, eine wärmende Werbefläche gewissermaßen, Vorzeigeobjekt seiner Handwerkskunst mit Nadel und Faden. Das Theater Vorpommern zeigt «Kleider machen Leute», eine musikalische Komödie, die Alexander Zemlinsky 1910 recht frei nach Gottfried Kellers berühmter Erzählung komponiert hat.

Es ist eine Art kleinbürgerliches Gegenstück zum «Rosenkavalier», im leichten, oft volkstümlich angehauchten Konversationston gehalten, versehen mit interessanten Orchesterzwischenspielen, in denen Zemlinsky der Musik diverse klangliche Outfits überstreift: Da hört man Strauss’sche Opulenz oder zartbittere Mahler’sche Melancholie, da klingt die Prügelfuge der «Meistersinger» durch, ja, da gibt es selbst frechen, großstädtischen Expressionismus à la Kurt Weill. Unter der Leitung seines neuen Chefdirigenten Golo Berg vollzieht das Philharmonische Orchester Vorpommern souverän Zemlinskys chamäleonhafte Metamorphosen nach, der von Anna Töller exzellent präparierte Chor ...

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Opernwelt Juli 2013
Rubrik: Reportage, Seite 52
von Frederik Hanssen

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