Radikale Seelenschau
Gilda ist tot, der Vater – Rigoletto – in Schmerz erstarrt, das Publikum tief ergriffen, doch auf die Basler Opernbühne kehrt allzu schnell die Realität wieder zurück: 3,5 Millionen Franken soll das Dreispartenhaus ab der kommenden Spielzeit unter seinem neuen Intendanten Georges Delnon jährlich einsparen; eine Summe, die das Theater substanziell gefährden würde, wie ein Sprecher des Ensembles in einer Erklärung vor ausverkauftem Haus verlautbart und die Theaterfreunde um ihre Mithilfe und ihren Protest gegen die Kantonspolitik bittet.
Opernalltag zur Jahreswende 2005/06.
Oder doch nicht? Was Michael Thalheimer in seiner nunmehr zweiten Operninszenierung (nach Janáceks «Katja Kabanova» in Berlin) offeriert, ist ein kleines Theaterwunder, eine verblüffend einsichtige Umsetzung von Verdis Tragödie bar jeglichen Realismus, als szenisches Oratorium auf schneeweißer, portalbreiter Guckkastenbühne (Henrik Ahr), die, perspektivisch verjüngt, noch um einen tiefer liegenden Raum nach hinten ausgeweitet werden kann. Ein Raum, in dem Zeit keine Bedeutung mehr hat als Dimension, in dem es nur noch eine bestimmende Größe gibt: Leere. Dieser «Rigoletto» ist ein Kammerspiel, das in seiner ...
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Am Ende wird doch noch Hochzeit gefeiert. Nach Grausamkeiten und Intrigen, Eifersucht und Streit geht Antonio Vivaldis «Dramma per musica» «Tito Manlio» (RV 738) gut aus, ein plötzliches Happy End («lieto fine») beendet das Familiendrama. Dem Auftraggeber in Mantua, Philipp von Hessen-Darmstadt, war solches Glück allerdings nicht beschieden. Er hatte die Oper für...
Souvenir de Verone – das ist der von Warner gewählte Marketing-Titel auf dem Paket von sechs für den DVD-Gebrauch aufbereiteten Mitschnitten von Opernaufführungen in der Arena von Verona. Alle Produktionen stammen aus den achtziger Jahren: Verdis «Attila», «Nabucco», «Il trovatore», «Aida» und «Otello» samt Puccinis «Tosca». Ein willkommenes Mitbringsel für die...
So machen’s alle auf den Opernbühnen des 21. Jahrhunderts? Zum Glück nicht! Die klassischen Räume in David McVicars bemerkenswerter «Così fan tutte»-Inszenierung an der Straßburger Rheinoper hatte man ob der Bühnenbildner-Generation der Viebrocks fast schon für nicht mehr möglich gehalten. Doch der Schotte zeigt, wie es auch gehen kann, siedelt die Handlung in...
