Geist und Moral
Während zahlreiche Orchester- und Chorwerke von Ralph Vaughan Williams (1872-1958) in Großbritannien oft gespielt werden, war sein Opernschaffen bislang allenfalls sporadisch auf Bühnen zu erleben. The Pilgrim’s Progress von 1951, seine letzte und umfänglichste Oper, basiert auf der christlichen Allegorie John Bunyans (1628-1688), die zu den Standardwerken der englischen Literatur zählt und sich vor allem in religiöser geprägten Zeiten einer breiten Leserschaft erfreute.
Die erbaulich-moralische Vorlage schildert die Reise eines Pilgers von der «Stadt der Zerstörung» zur «Himmlischen Stadt» mitsamt den damit verbundenen weltlichen Versuchungen und Begegnungen mit bösen wie guten Charakteren. Zunächst unsystematisch begann Vaughan Williams 1909, einzelne Passagen des Buches zu vertonen, die später teilweise Eingang in sein opus magnum finden sollten – ebenso wie fast sein gesamter Operneinakter The Shepherds of the Delectable Mountains, der ebenfalls auf Bunyan zurückgeht und 1922 aufgeführt wurde.
Als es 1951 schließlich an Londons Covent Garden zur Uraufführung der kompletten Oper kam, war Vaughan Williams längst zum «großen alten Herrn der englischen Musik» avanciert. The ...
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Opernwelt Februar 2013
Rubrik: Panorama, Seite 42
von George Hall
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