Kindstod im Zeittunnel: Ermonela Jaho (Suor Angelica); Foto: Theater/Wilfried Hösl

Pointillismus in Tönen

Kirill Petrenko zeichnet Puccinis «Il trittico» an der Bayerischen Staatsoper als flirrend-feines Triptychon, Lotte de Beer schickt die Figuren in einen Zeittunnel

Opernwelt - Logo

Zweimal an diesem Abend beginnt sich der Tunnel spektakulär zu drehen: am Ende von «Il tabarro», wenn der getötete Nebenbuhler wie am Fleischerhaken rotiert, und am Schluss von «Suor Angelica», wenn die Titelheldin ihr totes Kind pathosaffin im Himmel kreisen sieht. Nur in «Gianni Schicchi» hängt, welche Ironie, der Tote schon friedlich von der Decke, auf dass die Lebenden sich mit List seines Besitzes bemächtigen.

Dabei kann man Lotte de Beer nicht nachsagen, dass sie es auf das Spektakuläre angelegt habe in ihrer ersten Inszenierung für die Bayerische Staatsoper: Der nach hinten offene, manchmal von Nebel umwaberte Tunnel (Bühne: Bernhard Hammer) bildet den gemeinsamen Raum für alle Stücke von Giacomo Puccinis «Il trittico». In den Kostümen (Jorine van Beek) belässt es die Inszenierung bei den Handlungszeiten zu Beginn des 20. Jahrhunderts, am Ende des 17. und Anno Domini 1299. Puccini knüpft seine Musik so detailbesessen an konkrete Vorgänge, dass ihm Regisseure selten wirklich gerecht werden. De Beer beugt sich dem bewusst, wie sie im Programmheft sagt, und schafft doch regiestilistisch feine Unterschiede zwischen den Opern, deren Einheit immer wieder bezweifelt wird und die im ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Februar 2018
Rubrik: Im Focus, Seite 14
von Michael Stallknecht

Weitere Beiträge
Invasion aus dem Off

Die Spuren des Zweiten Weltkriegs sind noch überall präsent in Downtown Los Angeles. Aber kaum jemand hat ein Auge für die rund 240 auf Stahlmasten montierten gelben Sirenenköpfe, die Mitte der 1940er-Jahre aufgestellt wurden, um vor Luftangriffen zu warnen. Der Ernstfall ist, zum Glück, nie eingetreten. Gleichwohl blieben die wie kleine Ufos anmutenden Heuler vier...

TV-Klassiktipps Februar 2018

alpha

04.02. – 20.15 Uhr
Jansons dirigiert Strauss mit Daniil Trifonov

04.02. – 21.00 Uhr
Anne-Sophie Mutter und Maximilian Hornung spielen Brahms

11.02. – 20.15 Uhr
Lorin Maazel dirigiert Berlioz, Weber und Bartók

18.02. – 20.15 Uhr
Lorin Maazel dirigiert Mahler Symphonie Nr. 5

25.02. – 20.15 Uhr
Lorenzo Viotti dirigiert das Beethoven–Violinkonzert mit Sergey...

Mit aller Macht

Der Name steht für sich, ist längst zu einer globalen Marke avanciert: Mariinsky. Natürlich nicht von selbst. Sondern durch eine systematische Expansionspolitik, die maßgeblich auf einen Mann mit besten Beziehungen in die Schaltzentralen der Macht zurückgeht: Valery Gergiev.

Bis 1783 reicht die Geschichte des Mariinsky Theaters in Sankt Petersburg zurück. Schon im...