Der Eine

Im Januar wäre Gottfried von Einem 100 Jahre alt geworden, seine Opern haben Konjunktur

Opernwelt - Logo

Geboren wurde Gottfried von Einem am 24. Januar 1918. Gestorben ist er offenbar nie. Jedenfalls begleitet ihn ein Buch seiner Ehefrau Lotte Ingrisch über den 12. Juli 1996 hinaus auf einer sehr vitalen, von spiritistischem Zinnober nicht freien «Jenseitsreise». Die Rolle eines Menschen, der aus der Zeit gefallen ist, spielte Einem gern. Auf einer Podiumsdiskussion in seinen letzten Jahren hatte er neben überaus offenen Statements wie immer auch verbale Attacken parat – ein physisch wuchtiger Mann mit dem eindrucksvollen Bart des Propheten.

Als sich niemand aus dem jungen, verschüchterten Publikum aufraffen wollte, die Fragerunde zu eröffnen, polterte er wieder: «Na los, fragen Sie doch was, wenn Sie schon mal so einen Dinosaurier vor sich haben!»

Gottfried von Einem legte Wert darauf, das Wort vom «Componisten» mit «C» zu schreiben. Er stammte aus höchsten Militär- und Adelskreisen. Sein Vater war General, die Mutter Baronin. Wie er selbst genüsslich erzählte, sei er aber bei einer Affaire seiner Mutter mit einem ungarischen Grafen entstanden, der später auf der Jagd von einem angeschossenen Löwen zerrissen wurde. Solche Kategorien liebte er. Mitunter auch die Rolle des Don ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2018
Rubrik: Magazin, Seite 64
von Stephan Mösch

Weitere Beiträge
Glanzstücke

Was Stimmcharakteristik und Entstehungszeit der Werke betrifft, sind die Arienalben von Sonia Prina und Sophie Bevan zwar sehr unterschiedlich, eine Gemeinsamkeit haben sie aber doch: die sorgfältige Auswahl der Titel und die Fokussierung auf je einen klar definierten Zeitabschnitt. Sonia Prina widmet sich mit «Heroes in Love» dem wenig bekannten «italienischen»...

Kopflastig

Ein romantisches Seeufer oder ein Schloss mit Park, Loggia und Festsaal sucht der Zuschauer auf der Bremer «Rusalka»-Bühne vergeblich – und stellt fest, dass Regisseurin Anna-Sophie Mahler der Märchenatmosphäre dieser wunderschönen, vielfach unterschätzten Dvořák-Oper offenbar gründlich misstraut. Sie rollt die Geschichte von der Nixe, die ihr Wasserreich um der...

Allein Freiheit

Die Lobpreisung kam aus berufenem Munde: «In einem ähnlichen Sinn wie dem, in welchem es nur die Hegelsche Philosophie gibt», proklamierte Theodor W. Adorno in seiner brillanten, fragmentarischen Studie über den Komponisten, «gibt es in der Geschichte der abendländischen Musik nur Beethoven.» Beethovens Musik, das war Adornos apodiktische Überzeugung, sei «das Bild...