Totentanz
Nichts liegt näher in Verdis «Un ballo in maschera» als die Assoziation mit dem Totentanzmotiv – das Leben, ein bewusstloser Tanz in den Abgrund. Statt des Mondänen das Makabre: Diese Akzentuierung war selten so überdeutlich zu erleben wie in Tatjana Gürbacas detailreicher, fast choreografisch präziser, freilich auch überladener Neuinszenierung am Staatstheater Mainz.
Es begann fast klamaukhaft. In einem untiefen Vorzimmer die versammelten Schranzen, unter ihnen Verschwörer mit bedrohlich blinkendem Höllenmaschinenkoffer.
Riccardo (darstellerisch höchst aktiv und mit schmelzend-strahlendem Timbre: Sergey Drobyshevsky) tritt auf als Operettenherrscher, seine Staatsgeschäfte eine Dauerparty. Page Oscar als kesser Punk (schlank und koloraturensicher: Tatjana Charalgina) zieht den Justizchef rabiat in die Trubel-Scharade hinein und reißt ihm im Konfettiregen die Perücke vom Kopf. Der Aufbruch zu Ulrica, ein aufgekratzter Karnevalszug.
Mit dem Bild bei dieser Wahrsagerin (souverän und visionär gesungen von Sanja Anastasia) kippt die Optik unvermittelt – wie die zum ersten Fortissimo-Orchesterakkord eingerissene Rückwand – ins Pechschwarze. Zu Ulricas sinistrem Metier gehören in Gürbacas ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt März 2012
Rubrik: Panorama, Seite 41
von Hans-Klaus Jungheinrich
«Faust und Yorick»
Der Abend zeitgenössischer Operneinakter, die zum 125-jährigen Bestehen des Opernhauses in der Niedersächsischen Staatsoper Hannover gezeigt wurden, begann mit Wolfgang Rihms Kammeroper «Faust und Yorick». Was den 25-jährigen, in Freiburg lebenden, an der Karlsruher Musikhochschule lehrenden Komponisten an Tardieus Gleichnis «Faust und Yorick» –...
Fast exakt zehn Jahre ist das Trauma her, damals, beim letzten «Ring»-Versuch. Nur wenige Wochen nach der «Rheingold»-Premiere im Februar 2002 starb Regisseur Herbert Wernicke. Er hinterließ der Bayerischen Staatsoper ein monumentales Einheitsbühnenbild (den Zuschauerraum von Bayreuths Festspielhaus) und ein paar dürftige Konzeptnotizen. Zu wenig für eine...
Nach dem Erfolg mit Molière/Lullys comédie-ballet «Der Bürger als Edelmann» und Lullys tragédie en musique «Cadmus et Hermione» haben der Dirigent Vincent Dumestre samt seinem Orchester Le Poème Harmonique und der Regisseur Benjamin Lazar mit der favola drammatica musicale «Egisto» von Pier Francesco Cavalli neuerlich ein Werk aus der Frühzeit der Oper auf seine...
