Anlauf mit Hindernissen
Skurriler Saisonauftakt an der Bastille. Man wollte es besonders gut machen, bestellte bei Regie-Routinier Jean-Louis Martinoty eine neue Inszenierung des Gounod’schen «Faust» – nachdem die legendäre Produktion von Jorge Lavelli mehr als drei Jahrzehnte im Programm der Opéra national de Paris gewesen war. Und engagierte Roberto Alagna für die Titelrolle – in Frankreich ein Garant für Ovationen, selbst wenn er Handytöne singen würde.
Die Rechnung schien aufzugehen: Alle Vorstellungen waren ruckzuck ausverkauft.
Doch eine Woche vor der Premiere eskalierte ein Streit zwischen Alagna und dem Dirigenten Alain Lombard. Angeblich ging es um einen Strich in der Walpurgisnacht-Szene. Der Pult-Veteran strich die Segel, anschließend schlug man sich zum Entzücken der Pariser Presse coram publico: Alagna sei bei den Vormittagsproben ständig zu spät gekommen, schimpfte Lombard. Der so Gescholtene konterte mit der Andeutung, der 71-jährige Dirigent sei seiner Arbeit nicht mehr gewachsen.
Kaum schien mit der ad-hoc-Verpflichtung des Alagna-Vertrauten Alain Altinoglu die Premiere gerettet, gab es neue Probleme. Die Haus-Gewerkschaften, im ständigen Clinch mit Bastille-Chef Nicolas Joel, spielten ...
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Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 51
von Dieter Lintz
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