Auf der Wippe
Der Zwangseintritt in ein Kloster war im 18. Jahrhundert das Los vieler «überzähliger» Töchter, für die ihre Familien keine Mitgift aufbringen konnten (oder wollten). Die Konvente waren voll von Frauen, die dort ohne jede geistliche Berufung ihr Leben quasi in Haft verbrachten. Der viel kritisierte Materialismus der Manon hat also eine nachvollziehbare Ursache: Er ist das Mittel, mit dem sie sich diesem grausamen Schicksal zu entziehen sucht.
In vergleichbare Zwangslagen geraten junge Frauen heute nur mehr in Ausnahmefällen.
Umso mächtiger wirken Identifikationsangebote und Rollenvorbilder, die ihnen Werbung und Medien aufdrängen – in Deutschland zum Beispiel die TV-Show «Germany’s Next Topmodel». In Italien träumen Tausende junger Frauen davon, eine Velina zu werden, eines der spärlich bekleideten Showgirls in Berlusconis Privatfernsehen. Eine Transposition der Manon-Geschichte in die Gegenwart kann also durchaus sinnvoll sein.
Christine Mielitz’ Bonner Inszenierung scheint am Anfang so etwas anzudeuten: Statt auf einer Postkutschenstation befinden wir uns auf einem modernen Airport; die Kleidung verweist aufs Hier und Heute. Dann aber verflüchtigt sich das Welthaltige immer mehr ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt November 2011
Rubrik: Panorama, Seite 45
von Ingo Dorfmüller
«Glücksland» Bhutan in der Jahrhunderthalle – für die, die es erleben durften, der spirituelle Höhe- und Endpunkt des diesjährigen Festivals.
Brücke zum Nirwana – Wagners «Tristan und Isolde»
Wie 2009 mit Schönbergs «Moses und Aron» und 2010 mit der Uraufführung von «Leila und Madschnun» (einer aktualisierten, leider gescheiterten Musiktheaterfassung des...
Skurriler Saisonauftakt an der Bastille. Man wollte es besonders gut machen, bestellte bei Regie-Routinier Jean-Louis Martinoty eine neue Inszenierung des Gounod’schen «Faust» – nachdem die legendäre Produktion von Jorge Lavelli mehr als drei Jahrzehnte im Programm der Opéra national de Paris gewesen war. Und engagierte Roberto Alagna für die Titelrolle – in...
Sieben Jahre hat sie gedauert und Unsummen gekostet. Nun ist die Rekonstruktion des Bolschoi Theaters abgeschlossen, am 28. Oktober wird die Wiedereröffnung gefeiert (Arte überträgt den Abend live). Wenn auf der Prunkbühne dann Stars wie Plácido Domingo, Natalie Dessay und Dmitri Hvorostovsky, von Regisseur Dmitri Tscherniakov in Szene gesetzt, Glanznummern aus dem...
