War es so schmählich, was ich verbrach?
Wisst ihr, wie das ward? Just zur Zeit, da Tankred Dorst sich für den Grünen Hügel um den «Ring» mühte – was je nach Standpunkt des Betrachters zu altersweiser oder naiver Exegese führte –, präsentierte der abgesprungene Lars von Trier auf der Homepage seiner Produktionsfirma das, was hätte sein können: Ein «Ring» wie ein Film Akira Kurosawas als «Martial-Arts-Genrestück (...), eine simple, aber großartige Idee, eine sagenhafte Vorstellung von Aufbruch und Dynamik, von reiner Energie», wie die «Süddeutsche Zeitung» kommentierte.
Es stimmt schon: 2006 wäre vermutlich ein Eckdatum der Geschichte des neuen Bayreuth geworden – wie 1951, wie 1976. Freilich begründet von Trier per Homepage zugleich den Rückzug vor zwei Jahren: Sein minutiös ausgearbeitetes filmisches Konzept hätte in der unbedingt geforderten Präzision der Umsetzung die Bühnentechnik vermutlich überfordert. «Ich behaupte nicht, dass es unmöglich gewesen wäre, doch durch meinen krankhaften Drang zum Perfektionismus wäre es ganz einfach die Hölle geworden.»
Was vielleicht auch hätte sein können, zeigt Dorsts Arbeitsjournal, das als optisch und haptisch lustvoll aufbereiteter Band rechtzeitig zum Festspielbeginn erschien ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Er war nicht nur der größte unter allen lebenden Bassisten, sondern zweifellos ein Jahrhundertsänger: Kurt Moll. Jetzt verabschiedete er sich als Nachtwächter in den «Meistersingern» von der Bühne: jener Partie, mit der er 1968 in Bayreuth debütiert und mit der seine internationale Karriere begonnen hatte. Dirigent war damals nämlich Karl Böhm, der sich sofort...
Karajan gründete einst die Salzburger Osterfestspiele, um hier sein eigenes Bayreuth zu etablieren: Der «Ring» war die erste Tat. Zur Konkurrenz für den Grünen Hügel avancierte sein Wagner-Unternehmen gleichwohl nicht. Eher könnte man jetzt den Grünen Hügel im tirolerischen Erl zwar nicht zur existenziellen, aber doch zur atmosphärischen Konkurrenz erheben. Auf...
Adriana Hölszky brachte es auf den Punkt: «Es ist nicht die Frage, wie man zu einem Text kommt, sondern wie man rauskommt aus einem Text.» Was die Komponistin damit umriss, ist nicht weniger als ein zentrales Dilemma heutigen Komponierens. Kaum etwas ist dabei so verpönt wie die Abbildung einer literarischen Vorlage mit musikalischen Mitteln. Die so genannte...
