Schamlos erotomanisch
Zum fiebrig filigranen Orchestervorspiel ringt ein Menschenknäuel auf einer Halbkugel. Sie erinnert an die Neu-Bayreuther Weltenscheibe, wuchtig wölbt sie sich gen Himmel. Bald sehen wir ein männliches Paar, das sich gar schmerzlich voneinander löst. Der eine gleicht einem buckligen Rigoletto oder Alberich, der andere, mit seinen ausstaffierten Schulterpolstern, einem extra gut gebauten Mucki-Macho, einer Art Jung-Wotan.
Ersterer ist der heldentenorale, missgestaltete Schöngeist Alviano, der seiner eigenen Tragödie des hässlichen Mannes zu entkommen sucht, indem er auf einer der reichen Renaissancestadt Genua vorgelagerten Insel einen Lustgarten errichtet, die er seinen mächtigen Freunden großherzig zur Verfügung stellt. Der andere ist sein Gegenspieler Graf Tamare, ein baritonviril potenter Kerl, der das hier allgemein gültige Männermotto ohne jede Hemmung lebt: «Die Schönheit sei die Beute des Starken».
Der initiale Kniff des Regisseurs Johannes von Matuschka legt nun freilich nahe, dass Scheusal und Schönling ein und dieselbe Figur sind, dies getreu einer freudianischen Konstellation, die zur Entstehungszeit des Stücks anno 1918 auf der Hand, ja gleichsam auf der ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Juni 2019
Rubrik: Panorama, Seite 40
von Peter Krause
Die Zerstörung der Artenvielfalt bedrohe die Menschheit mindestens genauso wie der Klimawandel, mahnte dieser Tage der Präsident des Biodiversitätsrats bei den Vereinten Nationen. Ähnlich wie etwa industrielle Landwirtschaft als eine der Ursachen für den Rückgang der Insektenbestände gelten kann, dürfte der kulturelle Globalisierungsprozess für das zunehmende...
Zwar regnet es selten in dieser südlichen Gegend, dennoch rosten Orlandos Tage. Und mögen die anderen sich auch ständig Zigaretten anstecken: Die Kippen würden ihm in seiner Depression bloß nach komprimiertem Novembernebel schmecken. Doch Rauchen ist eigentlich gar nicht erlaubt in Christian Schmidts Wohn-Drehbühne mit ihrem Plattenbau-Charme. «PROHIBIDO FUMAR»...
Vor 30 Jahren gewann der russische Bariton Dmitri Hvorostovsky vor seinem walisischen Fachkollegen Bryn Terfel den BBC-Wettbewerb «Cardiff Singer of the World» und startete damit in seine große internationale Karriere. Noch im selben Jahr gab er in einer Rundfunkproduktion von Tschaikowskys «Pique Dame» in der Partie des Jeletzki sein Debut in Moskau.
Die auch...
