In höchster Ergriffenheit

Wagner: «Götterdämmerung», Cottbus / Großes Haus

Opernwelt - Logo

Ein Schluss, wie er im Buche steht. Längst haben Hagens Mannen Siegfrieds Katafalk aus Stühlen aufgeschichtet, als Brünnhilde erscheint, das Gesicht unterm Witwenschleier verhüllt und ein Flämmchen tragend, als wär’s das der Freiheitsstatue. Selbst wenn sie sich am Ende nicht aufs hohe Ross schwingt, scheint das ganze Theater unter ihren Füßen zu entflammen. Wüstes Gedünst steigt aus der Tiefe. Zurück bleibt ein rot glühendes Dampfgewölk, das den Raum füllt bis hoch zu den beiden Proszeniumslogen, wo zwei von Panthern gezogene Siegeswagen vergebens ein Startzeichen erwarten.

Doch noch ist die neue Zeit nicht angebrochen. Kaum sichtbar sinkt weit abgeschlagen auf der Bühne Wotan zeitlupenartig zu Boden, während vorne an der Rampe die Rheintöchter ein blaues Tuch über den Schauplatz der Geschichte ziehen. «In höchster Ergriffenheit» sehen Zuschauer dem «Wasser» wie auch dem «wachsenden Feuerschein» zu, und faszinierend fermatenhaft lässt GMD Evan Christ den Des-Dur-Akkord so ausklingen, als gäbe es nach der «Götterdämmerung» nichts mehr auf der Welt. Schon gar nicht Musik.

Der dritte Tag der Tetralogie «Der Ring des ­Nibelungen» fällt nicht nur deshalb aus dem Rahmen, weil ein ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Hartmut Regitz

Weitere Beiträge
Schlafende Schöne

Schon im fünften Jahr in Folge nimmt sich Kassels Staatstheater eine Barockoper vor. Nach der gelungenen Inszenierung von Alessandro Scarlattis «Griselda» in der letzten Spielzeit (Regie: Stephan Müller) war nun Vivaldis «L‘Olimpiade» zu erleben – nach Schwetzingen 2007 erst zum zweiten Mal in Deutschland.

Es geht in der verwirrenden Handlung aus der Feder...

Per Gondel nach Walhall

Gut möglich, dass sie selbst nicht mehr daran geglaubt haben. Einst wurden Dieter Dorn und Jürgen Rose, in gefühlter ewiger Theater-Kollaboration verbunden, von Wolfgang Sawallisch gefragt, ob sie 1987 Wagners «Ring des Nibelungen» an der Bayerischen Staatsoper realisieren wollen. Dorn, damals Prinzipal der Münchner Kammerspiele, lehnte ab. Zu aufwändig, zu viel...

Panoptikum

Peter Eötvös entschied sich in seiner Oper «Drei Schwestern» ganz bewusst für Künstlichkeit: Die Geschichte wird nicht chronologisch erzählt, die Figuren sprechen von sich in der dritten Person. Tschechows Drama ist auseinandergeschnitten und neu zusammengesetzt; statt der vier Akte gibt es drei große Sequenzen, die jeweils einer Hauptfigur gewidmet sind – Irina,...