In höchster Ergriffenheit
Ein Schluss, wie er im Buche steht. Längst haben Hagens Mannen Siegfrieds Katafalk aus Stühlen aufgeschichtet, als Brünnhilde erscheint, das Gesicht unterm Witwenschleier verhüllt und ein Flämmchen tragend, als wär’s das der Freiheitsstatue. Selbst wenn sie sich am Ende nicht aufs hohe Ross schwingt, scheint das ganze Theater unter ihren Füßen zu entflammen. Wüstes Gedünst steigt aus der Tiefe. Zurück bleibt ein rot glühendes Dampfgewölk, das den Raum füllt bis hoch zu den beiden Proszeniumslogen, wo zwei von Panthern gezogene Siegeswagen vergebens ein Startzeichen erwarten.
Doch noch ist die neue Zeit nicht angebrochen. Kaum sichtbar sinkt weit abgeschlagen auf der Bühne Wotan zeitlupenartig zu Boden, während vorne an der Rampe die Rheintöchter ein blaues Tuch über den Schauplatz der Geschichte ziehen. «In höchster Ergriffenheit» sehen Zuschauer dem «Wasser» wie auch dem «wachsenden Feuerschein» zu, und faszinierend fermatenhaft lässt GMD Evan Christ den Des-Dur-Akkord so ausklingen, als gäbe es nach der «Götterdämmerung» nichts mehr auf der Welt. Schon gar nicht Musik.
Der dritte Tag der Tetralogie «Der Ring des Nibelungen» fällt nicht nur deshalb aus dem Rahmen, weil ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt Mai 2013
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Hartmut Regitz
Die stiff upper lips der britischen High Society wurden noch steifer, als vor sechzig Jahren in der Royal Opera Benjamin Brittens Krönungsoper «Gloriana» uraufgeführt wurde. Statt des erwarteten zeremoniellen Historienspiels zur Krönung von Elizabeth II. wurde dem Publikum das bittere Drama der alternden Elizabeth geboten, die ihre Unterschrift unter das...
Als 1983, beim letzten großen Wagner-Jubiläum, vom Team der Gesamtausgabe eine Tagung veranstaltet wurde, hieß der Bericht «Wagnerliteratur – Wagnerforschung» (erschienen bei Schott 1985). Die Trennung war, wie Carl Dahlhaus in der Einleitung schrieb, eine Art «Notwehr»: Nur ein geringer Teil dessen, was über Wagner publiziert wird, hat mit Forschung im seriösen...
Während es ringsherum neue «Parsifal»-Produktionen hagelt, hält die einst als «Bayreuth am Rhein» geltende Rheinoper sich im Wagner-Jahr eher zurück. Lediglich einen neuen «Tannhäuser» bringt sie im Mai heraus. Als eigentlichen Beitrag zum Jubiläumsjahr versteht das Haus die bei Helmut Oehring in Auftrag gegebene Uraufführung «SehnsuchtMEER oder Vom fliegenden...
