Jubel, Trubel, Grausamkeit
Kennen Sie das Gefühl? Wenn man viel zu spät und stocknüchtern auf eine Party kommt, auf der alle schon völlig blau sind? Befremden, weil sich alle so unsäglich benehmen. Scham, denn wer nicht passt, sind Sie, nicht die anderen. Ein bisschen Neid, weil es letztlich doch schöner wäre mitzulachen, als dumm danebenzustehen. Falls ja, können Sie sich das Verhältnis des Zuschauers zum Geschehen im «Platée»-Prolog am Theater an der Wien ganz gut vorstellen.
Auf einer Lametta-gesäumten Bühne feiert die kreative Szene eine Griechensause, weiße Laken über die Hipster-Klamotten gewickelt. Bechern mit Bacchus. So überdreht, dass es fast ein bisschen peinlich ist. Gab’s schon hundertmal, diese Bühnenpartys, ich kann’s nicht mehr sehen, mault die Begleitung in der Pause. Mag sein. Aber es passt ja zum Stück, diesem ballet bouffon. Zum persiflierenden Ton, den aufgekratzten Oktavläufen, den schrubbenden Tonwiederholungen. Gut möglich, dass der durchschnittliche Louis-Quinze-Teenager aus gutem Hause einst heimlich Luftgeige dazu spielte in seinem Gemach. Natürlich nervt das overacting der torkelnden Truppe (ach ja! Trunkenheit ist so schwer zu spielen!), manchen Wink hätten wir auch ohne ...
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Opernwelt April 2014
Rubrik: Im Focus, Seite 4
von Wiebke Roloff
Verdis «Aida» hatte schon immer das Zeug, Skandal und Sensation zu machen. An dem Hybrid aus kriegstrommelnden Massenszenen und intimem Kammerspiel hat sich manches Regieteam die Zähne ausgebissen. Auch Altmeister Dietrich Hilsdorf, von dem es heißt, er sei brav geworden, hat bereits vor 25 Jahren in Essen eine «Aida» abgeliefert, die zwar Kultstatus erreichte und...
Die Bühne ist rund zwanzig Meter breit und sechs Meter tief. Das Publikum sitzt längsseits in zwei Reihen, direkt gegenüber einer kleinen Bar. Im Raum dazwischen ein paar Wirtshaustische, links außen auf der kargen Szene sitzen die elf Musiker des kleinen Orchesters mit Matrosenmützen. Wir befinden uns im früheren Schießstand der Stadtpolizei im Untergeschoss des...
Es mag Zufall gewesen sein, dass der Besuch des Doppelabends mit Poulencs «Voix humaine» und Bartóks «Herzog Blaubarts Burg» genau auf den Weltfrauen-Tag fiel. Sind doch beide Einakter exemplarisch auf das Schicksal einer in den Fesseln der Liebe ausweglos verstrickten Frau fokussiert. Die thematische Koinzidenz ist evident, wenn auch nicht unbedingt singulär....
