Im Dickicht der Müllhalden

Die Ära Mortier startet in Madrid mit Brecht/Weills «Mahagonny», inszeniert von La Fura dels Baus

Opernwelt - Logo

Der spanische Filmregisseur Carlos Saura drehte 1972 den Spielfilm «Ana y los
lobos» («Anna und die Wölfe»): Ein englisches Kindermädchen, gespielt von Charlie Chaplins Tochter ­Geraldine, kommt auf einen großbürgerlichen Familiensitz; dort gebietet eine Matriarchin über drei Söhne, schwach und ihren Obsessionen verfallen. Der eine hat ein abstruses Faible fürs Militär, der andere ist ein bigotter Masochist, der dritte, obwohl verheiratet und Vater mehrerer Kinder, ein nicht minder verklemmter Erotomane.

Diesem Horror-Bruder-Trio fällt Anna schließlich zum Opfer – sie wird von den «Wölfen» gerissen. Mit den «Wölfen» meinte Saura nichts anderes als die traditionellen «Säulen» der spanischen Gesellschaft: bourgeoise Familie, auch Großgrundbesitz, Militär und katholische Kirche – eine Trias, die nicht zuletzt die Franco-Diktatur ab 1936 zementierte und deren Würgegriff sich erst 1975, nach dem Tod des «Caudillo», lockerte.

Wer das franquistische Spanien noch kannte, wird sich erinnern, mit welcher Vehemenz das Land danach aufblühte: wie die gefürchtete Guardia Civil mit ihren schwarzen Lack-Käppis immer weniger bedrohlich in Erscheinung trat, wie von Jahr zu Jahr mehr Frauen allein auf ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Dezember 2010
Rubrik: Im Focus, Seite 10
von Gerard R. Koch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Gottlob-Frick-Gesellschaft

Zu einem Gipfeltreffen der Bassisten kam es beim diesjährigen Künstlertreffen der Gottlob-Frick-Gesellschaft in Ölbronn-Dürrn, zu der sich wieder zahlreiche Sängerpersönlichkeiten eingefunden hatten. Auf unserem Foto stellen sich zum Gruppenbild (ohne Dame) die Kammersänger Ekkehard Wlaschiha, Hans Sotin, Kurt Moll, Günter Wewel, Cornelius Hauptmann, Franz Crass...

Vom Scheinsieg der Kunst

Geschäftig wuseln die Streicher des RSO Wien, von Dirigent Bertrand de Billy energisch angetrieben, in den ersten Takten von «Ariadne auf Naxos». Beflissen eilt diese Musik voraus, möchte den Hörer führen wie der diensteifrige Einheimische den ortsunkundigen Fremden.

Doch wohin? Zunächst in einen «tiefen, kaum möblierten und dürftig erleuchteten Raum im Hause eines...

Fränkischer Dickschädel und Opernreformator

Der Name Gluck ist untrennbar mit der Opernreform verbunden, und dennoch kann er als der unbekannteste unter den großen Komponisten des 18. Jahrhunderts gelten. Zwei neue Monografien, die ersten seit mehr als 50 Jahren, suchen hier Abhilfe zu schaffen. Gerhard Crolls in Zusammenarbeit mit seiner Frau Renate entstandenes Buch verspricht eine Gesamtdarstellung von...