«Die amerikanischen Kollegen lachen sich schief»
Vielleicht lässt sich das Problem mit Nietzsche verstehen. Damit ein Ereignis Größe habe, müsse zweierlei zusammenkommen, schrieb der Philosoph in seinem viel zitierten Aufsatz «Richard Wagner in Bayreuth»: «der große Sinn derer, die es vollbringen, und der große Sinn derer, die es erleben».
Damit die Größe des Ereignisses auch erkennbar bleibt, braucht es freilich noch etwas: den großen Sinn derer, die die Zeugnisse, Briefe, Schriften und Fotografien zu diesem Ereignis sammeln, sortieren und so zugänglich machen, dass Forscher auch Jahrzehnte später alles finden und komfortabel damit arbeiten können. Das ist mühsam, aufwendig und teuer. Und: Man erwirbt sich damit keinen schnellen Ruhm.
Zum Thema «Richard Wagner in Bayreuth» lagern im Archiv des Richard-Wagner-Museums rund 200 000 Objekte. Das Archiv ist das Rückgrat der weltweiten Wagner-Forschung. Doch wenn man sich bei Wissenschaftlern umhört, die über Wagner arbeiten und in der Villa Wahnfried Quellen studiert haben, dann klingt eines sehr deutlich durch: Ein wenig mehr «großer Sinn» wäre hier dringend nötig.
«Der Zustand ist untragbar, unsagbar schlimm», sagt beispielsweise Eva Rieger, Musikwissenschaftlerin und Biografin ...
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Opernwelt Juli 2015
Rubrik: Essay, Seite 50
von Florian Zinnecker
Er war stets genau so alt wie sein Jahrhundert. Man konnte das symbolisch sehen: Ernst Krenek (1900-1991) gehörte zu den zeitbewusstesten Musikern und Intellektuellen, zugleich zu den vielseitigsten Künstlern seiner Epoche. Mit dem spröde-erratischen Musikdrama «Karl V.» suchte er, in expressiv aufgeladener Quasi-Zwölftontechnik, aus konservativ-idealkatholischer...
Wie der schlierige Bart eines Riesen streichen die Wolken über den eiszeitlich rundgeschliffenen Fels. 200 Regentage im Jahr zählt die Statistik für Bergen – heute ist einer davon. Das Wasser tropft nicht, es klatscht. Umso geisterhafter die Blüten der Apfelbäume, der Tulpen. Pralles Rot, ein Ausrufezeichen im feuchten Einheitsgrau. Pocht die Sonne tagsüber doch...
Ein seltsames Schauspiel bietet sich dem Amazonas-Schiffer vor Manaus: Durchaus im gleichen, weiten Bett, aber mit unterschiedlichen Geschwindigkeiten fließen der braune, träge, warme Amazonas und der behändere, dunkelkühle Rio Negro nebeneinander her, bis sie sich nach etwa dreißig Kilometern dann doch zusammentun.
Ob Ermanno Wolf-Ferrari je in der brasilianischen...
