Nackte Wahrheiten

Hannover: Wagner: Götterdämmerung

Opernwelt - Logo

In Essen sprach Barrie Kosky nur das Schlusswort zur dortigen «Ring»-Produktion (die sich vier Regisseure teilten), in Hannover gehörte die Geschichte ihm ganz allein. Als er in Hannover antrat, hatte er in Essen schon unterschrieben – und versprach, zwei verschiedene Sichtweisen auf der Götter Ende zu präsentieren. Daraus wurde dann nichts, aber das muss allenfalls Reisekritiker grämen, die sich gern überraschen lassen. Den Hannoveranern kann es egal sein, weil sie den Vorteil haben, schon zu wissen, worum es geht – und mit welchem Personal.

Was sich den Opernfreunden in Essen vielleicht nicht erschlossen hat (Alberich als Judenkarikatur, die Rheintöchter als Varietégirls und eine greise, nackte Erda), das kannten die hannoverschen Wagnerianer schon. Weshalb sich hier der «Ring» dann doch rundete.

Dass Kosky den «höchsten Helden» nicht recht leiden kann, hatte schon sein «Siegfried» gezeigt – an Robert Künzlis strahlkräftiger, unermüdlicher Interpretation kann es nicht gelegen haben. Auch in Hannover gab es zur «Was-bisher-geschah»-Nornenszene Klaus Grünbergs Trickfilm zu sehen, in dem aus der Weltesche ein Brokkolistrunk wurde. Dass der Schicksalsfaden hier ein Zelluloidband ist, ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt August 2011
Rubrik: Panorama, Seite 38
von Rainer Wagner

Weitere Beiträge
Ägyptische Hamlet-Variante

Der Schock kam nach der Ouvertüre. Sämtliche Rezitative waren gestrichen. Das Mozart-Festival A Coruña traute sich nicht, dem Publikum Domènec Terradellas’ (1713-1751) letzte Oper «Sesostri» in voller Länge zuzumuten. Dabei ist es der dramatische Instinkt, der die Musik des durch Juan Battista Otero und seine Reial Companyia Opera da Cambra Barcelona der...

Schlag nach bei Shakespeare


Das Timing hätte nicht besser sein können: Zeitgleich zu seiner Ausrufung als Nachfolger des 2012 nach Innsbruck wechselnden Pfalztheater-Intendanten Johannes Reitmeier konnte Operndirektor Urs Häberli als Regisseur mit der «Feenkönigin» einen rauschenden Erfolg einfahren. Die Ovationen waren aber nicht nur ein Vorschuss auf die erhoffte Fortsetzung des...

Im Focus der Ausgabe August 2011

Es war ohne Frage eine glänzende Spielzeit des Théâtre de la Monnaie in Brüssel: beginnend mit Janáceks «Katja Kabanova» (inszeniert von Andrea Breth), fortgesetzt mit «Parsifal» (bei dem Roberto Castellucci sein Operndebüt gab und Hartmut Haenchen dirigierte) bis hin zu diesem Finale: Meyerbeers «Les Huguenots» in einer Fassung, wie sie selbst der Komponist so...