Raritäten
Wie viele Zeitläufte des zwanzigsten Jahrhunderts dieses Leben einschloss, kann man aus den Daten ersehen: Ernst Krenek wurde im Jahr 1900 geboren und starb 1991. Noch erstaunlicher als die schiere Dauer seines Wirkens ist, dass Krenek aus der sich ständig umwälzenden (deutschen) Geschichte hellwach Konsequenzen zog, ohne sich als avancierter, zeitkritischer Opernkomponist im Mindesten untreu zu werden.
Im komischen Zweiakter «Sardakai» trifft man den einst jungen Autor der 1927 erfolgreichen Zeitoper «Jonny spielt auf» als alten Haudegen der bundesrepublikanischen Opernavantgarde in den Jahren der Studentenrevolte wieder. Das Auftragswerk für die Hamburgische Staatsoper von 1970 liegt jetzt als Ersteinspielung mit dem Rundfunk-Sinfonieorchester Berlin unter Reinhard Schmiedel vo. Eine Produktion, die hohes musikalisches Niveau hat.
Bei Lektüre des Librettos, das der Komponist wie immer selbst schrieb, wird sofort klar: «Ho-Tschi-Minh» skandierende SDS-Jünger fand Krenek, der durch die gefährlich schillernden Ideologien der zwanziger Jahre sozialisiert wurde, lächerlich. Dafür müssen in «Sardakai» ein liebestoller Psychoanalytiker und ein weltrevolutionär herumdeklamierender ...
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Der Bayreuther «Ring» von 1955, dessen Teilveröffentlichung durch das britische Label Testament im vergangenen Sommer eine Sensation auf dem bewegten Histo-Markt war, liegt nun komplett vor. «Das Rheingold» und «Götterdämmerung» bestätigen und vertiefen die damaligen Eindrücke (vgl. OW 9-10/2006). Eine Aufnahme von seltener Geschlossenheit und auch in...
