Kind geblieben

Wer bedingungslos liebt, kann verstören. Aber PETER KONWITSCHNY hat sich nie als Skandalmann verstanden. Eher als Tiefenbohrer. Es geht ihm um Wahrheit und Vergegenwärtigung. Die Bilder, die er dafür immer wieder fand, haben sich ins kollektive Gedächtnis eingebrannt. Am 21. Januar feiert Konwitschny seinen 70. Geburtstag. Nach einigen Krisen hat er zu neuer Kraft gefunden

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Herr Konwitschny, fühlen Sie sich eigentlich als Angehöriger einer aussterbenden Spezies, nachdem die Schauspielregisseure in der Oper überhandgenommen haben?
Überhaupt nicht. Ich fühle mich eher als einer der ganz wenigen, die sich noch ernsthaft um die Stücke bemühen. Und Gott sei Dank habe ich Schüler, die genauso denken. Die Schauspielregisseure haben ein Problem: Sie machen meistens die Rechnung ohne den Wirt. Die Musik kommt ja nicht dazu, von ihr geht vielmehr alles aus. Da sind viele vollkommen hilflos.

Heutzutage ist es ja außerdem so: Wenn man die ethischen Botschaften eines Stücks zu deutlich inszeniert, reagieren die Leute verschnupft.

Wie kann das sein? Die Operngänger müssten doch längst konditioniert sein auf eine zeitgemäße Stückbefragung ...
Na ja, dieses Publikum stirbt aus. Jetzt sitzen da diese EventJünger, VIP-Personen ohne richtiges Hintergrundwissen. Boris Becker finde ich toll, doch so einer ist früher meines Wissens nicht in die Oper gegangen. Auch Angela Merkel geht seit Längerem nach Bayreuth und fand kürzlich Wolf Biermann ganz nett. Vielleicht würde sie mich mittlerweile auch umarmen ... Wobei ich zugebe, dass man nicht alle über einen Kamm scheren darf.

Ge ...

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Opernwelt Januar 2015
Rubrik: Interview, Seite 30
von Markus Thiel

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