Himmelshölle
Es ging ziemlich rund mit Webers «Freischütz» beim Grazer «Ring-Award», und manchen am Gewohnten hängenden Opernbesucher fuhr die Wilde Jagd ganz schön um die Ohren. Gefordert war im Finale die schlüssige szenische Gestaltung des zweiten Akts. Wobei die beiden mit internationalen Theaterexperten gespickten Jurys sich einhellig für die Version von Verena Stoiber (Regie) und Sophia Schneider (Bühne) entschieden, die nicht nur den Hauptpreis, sondern auch den Löwenanteil der restlichen Preise einheimste.
Sie verlegt das Geschehen in einen «auf alter Ideologie aufgebauten Raum» – konkret: das Innere einer Kirche. Auch die Wolfsschlucht wird dort unter heftiger Anteilnahme der Kirchgänger in Form einer schwarzen Messe abgefeiert. Stoiber & Schneider diagnostizieren das Innenleben des Jägers Max als zunehmend schizophren, wobei er den negativen, «bösen» Teil seines Selbst auf den Jägerkollegen Kaspar projiziert. Überzeugend sowohl der Umgang mit der Musik, hier auf Klavier und Harmonium aufgeteilt, wie denn auch, was Stoiber und Schneider aus den Rahmenbedingungen – knappes Budget und eine Woche Probenzeit – herausholten. Und die jungen Sänger der Musikhochschulen Detmold/ Münster ...
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Opernwelt Juli 2014
Rubrik: Magazin, Seite 71
von Gerhard Persché
Fortschreibung
Der 100. Geburtstag Benjamin Brittens wirkt nach: Ungewöhnlich viele Häuser nehmen Werke des zweiten Orpheus Britannicus neu in den Spielplan. Die Deutsche Oper am Rhein etwa schließt mit «Death in Venice» ihren Zyklus, Bielefeld zeigt «The Rape of Lucretia» (Foto), Oldenburg und Gelsenkirchen haben sich «Albert Herring» vorgenommen.
Festspielzeit
Erst...
Blutrünstig ist sie, diese Familiengeschichte. Getränkt von Unausweichlichkeit, gelenkt von blindem Schicksal. Die Rede ist von «Thebans», einem Auftragswerk der English National Opera in Kooperation mit dem Theater Bonn. Der Londoner Komponist Julian Anderson und sein Librettist Frank McGuiness haben Sophokles’ drei Theben-Tragödien «König Ödipus», «Antigone» und...
Der Laden sieht ziemlich schäbig aus: schmuddelig-gelbliche Wän- de, billiges Mobiliar, überall Müll auf dem schachbrettartigen Boden. Und an der dürftigen Theke, hinter der trostlose Kacheln giftgrün schimmern, fehlt selbst das, was sonst in jeder italienischen Bar zu finden ist: die Kaffeemaschine. Einzig der neon-leuchtende Schriftzug im Obergeschoss zeugt...
