Wille zur Macht
Der Prolog fehlt. Keine Debatte darüber, wer die einflussreichste allegorische Figur auf der Bühne ist. Fortuna, die Schicksalsgöttin, und Virtù, Vertreterin von Tugend und Tapferkeit, sind erst gar nicht angereist. Nur Amor ist erschienen, um den Menschen stupende erotische Energien einzuflößen. Allein, das Singen hat auch der Liebesgott anscheinend verlernt.
Stumm wie ein Fisch (aber ebenso geschmeidig) schlängelt sich die Tänzerin Diane Gemsch in schwarz-ledernem Ganzkörperanzug und furchterregender Dämonenmaske (Kostüme: Žana Bošnjak) durch das trockengelegte, weißgekachelte, mit Asche belegte Schwimmbecken des Bühnenbildners Wolfgang Menardi, reibt sich mal an Poppea, der Mätresse des Kaisers, mal an diesem selbst. Wirft ihren durchtrainierten Körper zwischen sie, rollt herum, touchiert mit unterschiedlicher Intensität verschiedene Gliedmaßen, wird handgreiflich, gleitet, wie von Furien getrieben, weiter.
«L’incoronazione di Poppea» heißt die Oper, die im Theater St. Gallen, gegeben wird. Aber es ist ein völlig anderes Stück als das 1643 aus der Taufe gehobene, uns bekannte von Claudio Monteverdi. Es eine Bearbeitung zu nennen, griffe entschieden zu kurz; zu einschneidend ...
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Opernwelt August 2019
Rubrik: Im Focus, Seite 12
von Jürgen Otten
Wie einem Märchenbilderbuch entsprungen spielen nach altrussisch-folkloristischer Manier gewandete lebende Puppen die Geschichte vom Zaren Saltan, der sich unter drei Schwestern eine Braut erwählt. Er verstößt seine Gattin jedoch, weil sie ihm, als er in den Krieg gezogen ist, angeblich statt eines heldenhaften Prinzen ein Monster geboren habe. Dahinter steckt...
Das O am Namensende ist kein Schreibfehler. «Antigono» – so heißt ein Libretto von Pietro Metastasio, das erstmals 1743 von Johann Adolph Hasse vertont wurde und eine beachtliche Karriere hinlegte: Wohl mehr als 50 Komponisten brachten ihre eigene Version heraus, darunter Christoph Willibald Gluck. Sein 1756 in Rom uraufgeführter «Antigono» stand im Mittelpunkt...
Als Lise Davidsen 2016 beim Festival in Bergen mit einem Liederabend vorgestellt wurde, hatte sie ihre Wettbewerbserfolge (Operalia und Queen Sonja) bereits hinter sich und wurde als Stimmwunder und norwegische Zukunftshoffnung gehandelt (siehe OW 7/2016). Inzwischen ist die Zukunft schon vielfach Gegenwart geworden. Große Rollen- und Hausdebüts haben den...
