Liebeserklärungen
Jazz und Klassik – das ist eine nicht immer unbedingt glückliche Beziehung gewesen. Zugleich aber ist es die Geschichte einer schon lange währenden wechselseitigen Faszination: Kaum tönten die ersten blue notes und syncopated rhythms aus New Orleans, Chicago und New York, da horchten auch schon Komponisten in Europa interessiert auf. Igor Strawinsky, Darius Milhaud, Kurt Weill und andere schätzten die motorische Vitalität, die improvisatorische Freiheit der neuen Musik aus der Neuen Welt.
Umgekehrt experimentierten Jazzmusiker mit komplexen Formen, die eher an die strenge Verdichtung des «klassischen» Orchestersatzes als an lockere changes aus der Jazzharmonik denken lassen – etwa der Bandleader Duke Ellington oder der Third Stream-Erfinder Gunther Schuller. Doch die Amalgamierungsversuche verliefen oft im Sande, blieben eher swingendes Missverständnis oder symphonisch aufgeplusterte Behauptung als originelle Bereicherung des jeweiligen Ausdrucksvokabulars. Erst Ende des 20. Jahrhunderts sollte sich das ändern: Seit nicht nur Güter und Ideen, sondern auch musikalische Idiome jedweder Provenienz im Turbotempo um den Erdball zirkulieren, sind die Genregrenzen durchlässiger, die ...
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Die Überraschung kommt aus dem Orchestergraben: So transparent und dialogfreudig geht das Orchester der Royal Opera in London seinen neuen «Figaro» an, dass man glatt auf John Eliot Gardiner oder Roger Norrington am Pult tippen könnte. Tatsächlich aber ist es Covent-Garden-Chef Antonio Pappano, der hier den Ton angibt – und damit zeigt, dass er seine Lektion in...
Wäre ich allmächtig», sagt die Titelfigur in «Jakob Lenz», Wolfgang Rihms frühem Geniestreich, «ich könnte das Leiden nicht ertragen, ich würde retten, retten!» Er spricht uns aus der Seele, der arme Dichternarr. Wären wir allmächtig, wir würden die vielen tausend Toten in China nicht zulassen, auch nicht die Ungerechtigkeit der Welt, die Raffgier, die Aggression,...
Der wahrscheinlich kühnste unter den zahlreichen Versuchen, das «Zaïde»-Fragment zu komplettieren: Die israelische Komponistin Chaya Czernowin hat sich vor zwei Jahren im Auftrag der Salzburger Festspiele daran gewagt, Mozarts Musik mit ihren eigenen Klängen zu konfrontieren. Ein interessantes Unternehmen, das in der Kontrastierung durchaus erhellend für beide...
