Wagners Figuren sind uns fern

Achim Freyer, Plácido Domingo und James Conlon über den ersten «Ring»-Zyklus an der Los Angeles Opera

Opernwelt - Logo

Noch ehe die Kontrabässe zum tiefen Es des «Rheingold»-Vorspiels ansetzten, konnten Wagner-Fans sich über den just gestarteten neuen «Ring»-Zyk-lus an Plácido Domingos Los Angeles Opera orientieren: Fotos zeigten vorab die in kräftigen Farben leuchtenden, wilden Fantasieräume, die der Bühnenbildner und Regisseur Achim Freyer für das Projekt entworfen hat. Eine Kunstwelt, die in sich zu ruhen scheint, mythisch aufgeladen, zugleich radikal persönlich. Bei dieser Kombination denkt man unwillkürlich an Träume, wo ja auch Archetypen an Bilder rein privater Natur andocken.

Ist es diese Mischung, die Freyer anstrebt?
«Der Begriff ‹Traum› ist sicher falsch», erklärt Freyer. «Es handelt sich um eine Ebene, die wir nicht kennen, eine Ebene des Ungesehenen. Wie ist die Welt entstanden? Wie ist Wasser, wie sind Feuer, Erde, Luft entstanden? Wie hat sich die Götterwelt eingestellt? Aus dieser Ungesehenheit, aus der ganzen unbewussten Wahrnehmung der Welt, aus der Spekulation, die man darüber gemacht hat, ist man verführt, Bilder zu schaffen. Jeder trägt diese Bilder in sich. Sie sind nicht Realität und sind nicht Traum.»
Wenn man Achim Freyer zuhört, hat man das Gefühl, als verfolge man einen ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt April 2009
Rubrik: Magazin, Seite 68
von Matthew Gurewitsch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Und immer wieder Octavian

Mit ihrem Rosenkavalier werde die Musikwelt «stimmlich und darstellerisch auch in besonderen Fällen rechnen können», prophezeite die Grazer «Tagespost» am 9. November 1949 nach dem sensationellen Debüt der erst 25-jährigen Hertha Töpper im dortigen Opernhaus. Und in der Tat: Der Octavian wurde die zentrale, wurde die Schicksalspartie in der Karriere der...

Verwüstungen der Liebe

«Die Schrecken der Oper sind süß», heißt es in Heiner Müllers «Quartett». Es war die Idee des Regisseurs Thomas Bischoff, zwischen Bartóks Einakter «Herzog Blaubarts Burg» und Schönbergs «Erwartung» eine Kurzversion von Heiner Müllers Schauspiel «Quartett» zu setzen und so den Reigen der Paare, der als knallbunter Werbefoto-Fries den Abend begleitet, bis in die...

Der Unzeitgemäße

Bis heute ist er umstritten. In Jürgen Kestings neuer, zweieinhalbtausend Seiten umfassender Ausgabe von «Die großen Sänger» sind Max Lorenz gerade mal eineinviertel Seiten gewidmet. Unter der Überschrift «Hitze und Hysterie» heißt es, sein Singen habe «den Charme des Kasernentons». Und dann wird Hitlers Parade-Siegfried mit einem einzigen Satz vernichtet: «Es gibt...