Bräutigam am Abgrund
Nein, nicht auf die Autobahn. Wir entscheiden uns wieder für die Bundesstraße, gondeln lieber wieder mit 60 durch den Schwarzwald, der einen auf die Unaufgeregtheit, die Beschaulichkeit von «Rossini in Wildbad» einstimmt. Dort ist alles beim Alten. Rauschte nicht die Enz mitten durch Park und Ort, herrschte am helllichten Mittag fast schon gespenstische Friedhofsstille. Der extreme Gegensatz zu Salzburgs Getreidegasse: so gut wie kein Mensch unterwegs. Käme man nicht des Festivals wegen – man bemerkte es kaum.
Nichts vom Glamour, von der Selbstinszenierung der Schickeria, vom Promi-Auflauf so mancher Großfestspiele, sondern Konzentration auf die Sache. Und die Sache ist Gioachino Rossini, ist auch seine Zeit, sein Umfeld. Darüber kann man im Nordschwarzwald, wenn man nachher beim Wein etwas indiskret die Ohren spitzt, so manches kenntnisreiche Gespräch aufschnappen.
Die «große» Premiere dieser anderthalb Juliwochen galt der letzten der wichtigen Rossini'schen Musikkomödien, die hier noch fehlte. Intendant Jochen Schönleber nahm sich «Il turco in Italia» vor, die beinahe schlimm verlaufende Geschichte der jungen, kapriziösen Fiorilla (einst eine Callas-Partie), die es, ihres ...
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Opernwelt September/Oktober 2011
Rubrik: Im Focus, Seite 38
von Heinz W. Koch
Wenn auch nicht seine letzte Oper, so ist die 1686 uraufgeführte «Armide» dennoch der Gipfel von Jean-Baptiste Lullys musikdramatischem Schaffen: die Erfüllung eines Prozesses musikdramatischer Verknappung, den der Komponist und sein Librettist Philippe Quinault 13 Jahre zuvor mit ihrer ersten Tragédie lyrique «Cadmus et Hermione» begonnen hatten. Klar und...
2005 lieferte die damals in breiten Kreisen wenig bekannte Danielle de Niese in Glyndebourne die Cleopatra in Händels «Giulio Cesare» als perfekte Music-Hall-Nummer ab, tits, hips and ass, mit schnittigen Koloraturen, doch vokal insgesamt nicht so, dass man in Verzückung gefallen wäre. Dies würde, mutmaßte man, eine jener Karrieren werden, die sich einem Hören mit...
Was bewegt einen Komponisten, zu Beginn des 20. Jahrhunderts einen Sagenstoff noch einmal aufzunehmen, der in der Romantik viele und prominente Ausformungen erfahren hat – in der Literatur wie in der Musik? Antonín Dvorák war nicht mehr jung, als er «Rusalka» in einem Zug schrieb, ein hoch berühmter Mann, aber auf dem Gebiet der Oper bis dahin nicht wirklich...
