Die Crux mit den letzten Dingen
Die ewigen letzten Fragen, sie sind auch zu Beginn des 21. Jahrhunderts noch für eine Oper gut. Nicht, dass die Mär von Doktor Faustus, in vielen Drehungen und Wendungen vom leibhaftigen Mannsbild des fünfzehnten Jahrhunderts (Georg Faust aus Knittlingen) zur Volkssage und schließlich zu einem der meistverhandelten Topoi der abendländischen Literatur avanciert, in der Musiksphäre zuvor kein Interesse gefunden hätte. Faust-Werke mit Sang und Klang lassen sich beinahe dreihundert Jahre zurückverfolgen.
Und es waren keineswegs nur deutsche Komponisten, die – mit Goethes «Faust», der Deutschen heiligsten Dichterworten, unter dem Notenblatt – zu ergründen suchten, was die Welt im Innersten zusammenhält.
Zwar hat der ob seiner Schwäche fürs Grundsätzliche und die faustische Zwei-Seelen-Lehre dem Stoff zugeneigte teutonische Geist durchaus eine eigene Tradition musikalischer Annäherungen hervorgebracht – die Ahnengalerie reicht hier von Louis Spohr und Robert Schumann bis zu Hanns Eisler und Wolfgang Rihm. Auch Tonsetzer italienischer Abkunft zeigten ein besonderes Faible für die vertrackte Materie (Arrigo Boito, Ferruccio Busoni, Luca Lombardi). Das gelobte Land aller ...
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Die Idee ist bestechend, wiewohl sie Dietrich Hilsdorf schon vor zehn Jahren als Urgrund seiner Auseinandersetzung mit Mozarts «Entführung» verwendet hatte, seinerzeit in Gelsenkirchen. Kein Harem irgendwo, sondern ein Saal eines Schlosses in der k. u. k.-Hauptstadt bildet den Spielort für seine Inszenierung. Dieter Richter hat ihm für Leipzig einen von der...
Wenn Zürich jetzt Händels «Orlando» von 1733 herausgebracht hat, wünscht man sich, dass Alexander Pereira die beiden anderen Händel-Opern nach Ariost, nämlich «Ariodante» (1734) und als Wiederaufnahme «Alcina» (1735) folgen lassen möge, um alle drei dann zu einer Trilogie zusammenzuschließen (nach dem Vorbild der Zürcher römischen «Kaiser»-Trilogie mit Monteverdis...
Es gibt Opern, die sind richtige Opern. Leidenschaft, Verrat, Folter, Wahnsinn, Totschlag, die große Schlacht, zärtliches Atemholen bei der stillen, lyrischen Liebe, sanftes, ergreifendes Sterben. Tschaikowskys «Mazeppa» ist so eine Oper. Der Hintergrund, nach einem Poem Puschkins, ist historisch. Der ukrainische Kosakenführer Mazeppa, schon ein alter Mann,...
