Menschliches Maß
Dieser Gott ist ein gewiefter Politiker. «Schon erfleht die schmachtende Erde mit tausend und abertausend Mündern fiebernd Hilfe von oben. (…) Verwelkt und entlaubt leben kaum noch die Wälder. / Nun ist es an uns, denen Schutz und Schirm der Welt obliegen, den Schaden gutzumachen und die Natur zu entschädigen», spricht Jupiter, sobald er den glühend heißen Erdboden betreten und sich den von ihm selbst angerichteten Schaden angesehen hat.
Viel anders als der Göttervater, wie ihn Francesco Cavalli und Giovanni Faustini in ihrer «La Calisto» auftreten lassen, reden heute auch Bush und Putin bei ihren Stippvisiten in kriegs- und katastrophenverheerten Gebieten nicht. In der Regel bleiben die Bemühenszusagen heute genauso folgenlos wie vor dreihundertfünfzig Jahren, als dieses Meisterwerk der venezianischen Barockoper zum ersten Mal über die Bühne ging – und auch Jupiter macht im weiteren Verlauf nur noch durch einen Sexskandal von sich reden.
Schon hier, gleich zu Beginn des ersten Aktes, muss auch jeder Regisseur bekennen, wie er es mit dem Stück hält: Belässt er den Figuren ihre Götter- und Nymphenmasken oder reißt er sie fort, damit der Sarkasmus, aber auch die Humanität von ...
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