Zauderer, Zuchtmeister, Zauberer
Neben der Musikgeschichte der klingenden Tatsachen und ihrer Wirkungen gibt es auch eine «Möglichkeitsgeschichte» des zufällig oder aus innerer Logik nicht zustande Gekommenen. Was, um nur ein Beispiel anzuführen, wenn Wagner sich noch zu einer «Buddha»-Bühnenlegende entschlossen hätte, einer mildfarben westöstlichen Serenität jenseits des «Parsifal»? Vieles blieb ungeschrieben. Leider auch die Musiktheater-Projekte von Pierre Boulez.
György Kurtág, der im Februar seinen 90.
Geburtstag feierte und schon immer langsam, mit Bedacht kleinformatige, pointierte, zum Fragmentarischen neigende Stücke geschrieben hat, ist in unverminderter Kraft mit neuen Hervorbringungen beschäftigt. Dennoch schien es ein gewaltiges Wagnis, als Alexander Pereira im Vorfeld seiner Salzburger Festspielintendanz ihm den Auftrag für eine abendfüllende Oper gab. Von Anfang an galt es dem «Endspiel» von Beckett, und als Uraufführungstermin war der Sommer 2013 avisiert worden. Doch es sieht nicht so aus, als sei das Projekt verloren. Pereira nahm es mit zu seiner neuen Wirkungsstätte, der Mailänder Scala, wo es dereinst noch das Licht der Welt erblicken könnte.
In den Tagen um seinen 90. Geburtstag weilten ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Opernwelt April 2016
Rubrik: Magazin, Seite 72
von Hans-Klaus Jungheinrich
In der Kurzgeschichte «Dog Days» erzählt US-Autorin Judy Budnitz auf nicht einmal acht DIN A4-Seiten vom Zerfall aller staatlichen und gesellschaftlichen Ordnung. Das Desaster schleicht sich an mit Wirtschaftskrise und Massenarbeitslosigkeit, es folgen Obdachlosigkeit und Flucht. Nach und nach bricht die Versorgung mit Strom, Kraftstoff, Lebensmitteln ein, während...
Im September 2013 fand in Winterthur eine Tagung zu Biografie und Schaffen von Walter Braunfels statt, deren Beiträge inzwischen gedruckt als Sonderband der Reihe Musik-Konzepte vorliegen. Warum Winterthur? Weil dort Werner Reinhart saß, Kaufmann und langjähriger Mäzen von Braunfels. Ihm und dem nicht ungetrübten, aber letztlich stabilen Verhältnis der beiden ist...
Sechzehn Tage Vorlauf für ein Rollendebüt: Das braucht Mumm. Den bewies Roberto Alagna, als er jetzt an der Metropolitan Opera als Des Grieux einsprang. Jonas Kaufmann hatte sich zur Wiederaufnahme von Richard Eyres fragwürdiger «Nazi meets film noir»-Version der «Manon Lescaut» krankgemeldet. Alagna glückte trotz eines trockenen Vibratos und hörbarer Anstrengung...
