Aus dem Skizzenheft

Wie ein englischer Musikwissenschaftler Liszts Opernfragment «Sardanapalo» in Weimar zur konzertanten Uraufführung verhalf

Opernwelt - Logo

Im Grunde genügt ein kurzer Blick ins Autograph, um zu verstehen, warum Franz Liszts unvollendete Oper «Sardanapalo» ihr Dasein lange Zeit nur als musikwissenschaftliche Fußnote fristete. Was der Komponist da in den späten 1840er-Jahren mit hellbrauner Tinte in sein Notizbuch schrieb, ist kaum mehr als ein ausgearbeitetes Fragment: Noten und Text sehen aus wie «gezeichnet», hier und da findet sich, in blauer Buntstiftfarbe, eine Notiz am Rand. Musikalische Ideen sind auf den 111 Seiten nur angedeutet, Liszts Handschrift ist entweder unleserlich oder voller Abkürzungen.

Generationen von Musikwissenschaftlern haben sich diese seit mehr als 100 Jahren im Weimarer Goethe-und-Schiller-Archiv gelagerten Entwürfe zu einem ersten Akt angeschaut – und sie bald wieder beiseite gelegt. «Sardanapalo» galt als zu lückenhaft, um ediert zu werden. Dass jetzt ein Musikwissenschaftler aus dem englischen Cambridge, David Trippett, genau das gewagt hat, ist allein deshalb schon eine kleine Sensation. Mitte August wurde seine «Bearbeitung», wie er die Orchesterfassung bescheiden nennt, durch die Staatskapelle Weimar unter Leitung von Kirill Karabits konzertant uraufgeführt. Rund 50 Minuten dauert das ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt November 2018
Rubrik: Magazin, Seite 78
von Hannah Schmidt

Weitere Beiträge
Querständig

Der Prinz und die Wassernixe, Mensch und Naturwesen, die gegen alle Fantasie abgestumpfte reale Welt gegen das naive Märchenreich: So einfach funktioniert Antonín Dvořáks «Rusalka» nicht mehr. Des Tschechen letzte Oper, zwar noch als «lyrisches Märchen» deklariert, wurde 1901 uraufgeführt. Etwa zeitgleich entstanden sowohl Sigmund Freuds «Traumdeutung» (1900) als...

Impressum November 2018

59. Jahrgang, Nr 11
Opernwelt wird herausgegeben von
Der Theaterverlag – Friedrich Berlin

ISSN     0030-3690
Best.-Nr.     752316

Redaktion Opernwelt
Nestorstraße 8-9, 10709 Berlin
Tel.: +49(0)30/25 44 95 55
Fax: +49(0)30/25 44 95 12
redaktion@opernwelt.de
www.opernwelt.de



Redaktion
Jürgen Otten, Albrecht Thiemann (V. i. S. d. P.)

Redaktionsbüro
Andrea Kaiser | redaktion@opern...

Arbeitssieg

Glücklich das Haus, das ein solches Stück mit eigenen Kräften besetzen kann; unglücklich jedoch, wenn es ein Regieteam engagiert, das diesen Kräften durchweg misstraut. Pantomimische und tänzerische Duplikate sind mittlerweile fast schon zur Regel geworden, auch haben wir uns längst an Simultanhandlungen auf der Leinwand gewöhnt, die entweder das Bühnengeschehen...