Konturenarm

Genf, Janáˇcek: Aus einem Totenhaus

Opernwelt - Logo

Der Blick fällt in eine weite Halle, deren Tiefe sich ins Endlose zu erstrecken scheint. Feldbetten, eine Waschgelegenheit, Tische, Bänke und vor allem: zahllose gleichförmige Lampen, deren geometrisch ausgerichtete Reihen die großen Raumdimensionen noch unterstreichen. Allein diese Verhältnisse deuten schon auf die Monotonie des Alltags. Pierre Strosser verzichtet darauf, diesen Einheitsraum umzuordnen.

Es ist gerade die Perspektivlosigkeit, das ständige Einerlei der Umgebung, in der sich die Gefangenen meist langsam und ziellos bewegen, die Szene und Personenführung zum Ausdruck bringen will. In Janáˇceks dramatischem Konzept spielt das Nebeneinander von Masse und Individuum, von Choreinwürfen und großen Soli eine zentrale Rolle. Bloß das individuelle Schicksal, die Geschichte des Einzelnen relativiert die Masse. Jeder Täter lebt eben mit seinem eigenen Verhängnis, jede Tat, die mit Lagerhaft bestraft wurde, hatte ihre Hintergründe, ihr soziales Umfeld. Aber gerade hier scheitert Strossers Umsetzung, weil er die Fokussierung auf diese individuellen Geschichten, die die eigentliche Substanz des Werkes bilden, vernachlässigt. Die großen Lebensbeichten Skuratovs und  ˇSiˇskovs ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2005
Rubrik: Panorama, Seite 47
von Hanspeter Renggli

Vergriffen
Weitere Beiträge
Wie willig waren die Komponisten der Nazi-Ära?

Mit seinen beiden Überblicksdarstellungen zur Sozialgeschichte des Jazz und der klassischen Musik im Dritten Reich hat der kanadische Sozialhistoriker Mi­chael H.Kater – zumindest in Deutschland – gewaltig Staub aufgewirbelt. Nun schließt er seine Beschäftigung mit acht Fallstudien über Komponisten der Nazi-Zeit ab. Dass es sich dabei nicht um «Komponisten im...

Das Sofa des Schicksals

Da hilft kein Fleckenteufel: Am Ende ist das weiße Sofa nicht weniger blutüberströmt als jene, die auf ihm lebten, liebten und starben. Dass Philipp Himmelmann kein Möbelschoner ist, hat er schon in seiner Berliner «Don Carlo»-Inszenierung bewiesen, wo Spanien an, auf und unter einem Esstisch regiert wurde. In der Heimat des Regisseurs muss nun ein Viersitzer dran...

«Von Leipzig verspreche ich mir etwas Neues»

Herr Chailly, im September 2005 treten Sie Ihr Amt als ­Ge­ne­ralmusikdirektor der Leipziger Oper und Gewandhauskapellmeister an. Leipzig zählt, trotz der unbestrittenen Qualitäten des Orchesters, nicht wirklich zu den führenden Musikmetropolen. Wo­rin besteht für Sie der Reiz?
Leipzig ist nicht irgendeine Stadt, sondern ein Ort mit einer ganz außergewöhnlichen...