Kurt Moll hört auf

Opernwelt - Logo

Er war nicht nur der größte unter allen ­lebenden Bassisten, sondern zweifellos ein Jahrhundert­sänger: Kurt Moll. Jetzt verabschiedete er sich als Nacht­wächter in den «Meistersingern» von der Bühne: jener Partie, mit der er 1968 in Bay­reuth debütiert und mit der seine internationale Karriere begonnen hatte. Dirigent war damals nämlich Karl Böhm, der sich sofort für den jungen Sänger einsetzte. Siebenundvierzig Jahre hat Kurt Moll auf der Bühne gestanden seit den Anfängen in Köln und Aachen.

Seine letzte Vor­stellung fand im Münchner Nationaltheater statt, und die Sache mit dem Nachtwächter war eine Idee von Sir Peter Jonas. Natürlich ­tobte das Haus.
Die Entscheidung zum Bühnenabschied sei lange in seinem Kopf gewesen, sagte Kurt Moll im «Opernwelt»-Gespräch. Er habe sie dann aber doch kurzfristig getroffen: «Der Körper hat sich in den letzten Jahren immer wieder gemeldet, und solche Zeichen sollte man respektieren.» Liederabende will er noch geben in Zukunft und auch unterrichten. Ansonsten freut er sich auf «einen neuen Lebensabschnitt, getragen von vielen guten Erinnerungen». Wir wünschen Gesundheit und Lebensfreude und bedanken uns für zahllose große Abende.

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt September/Oktober 2006
Rubrik: Magazin, Seite 49
von Stephan Mösch

Vergriffen
Weitere Beiträge
Sommerliches Schneegestöber

Draußen Hundstage, drinnen schneit’s. Regisseur Joachim Rathke siedelt Mozarts «Finta semplice» im Hotel «Stella Alpina» in den norditalienischen Bergen an. Bröckelnder Jugendstilputz an den Wänden. Mauerdurchbrüche, manche verschlossen, manche mit Mo­saik­kacheln aus den fünf­ziger Jahren. Das Hotel hat schon bessere Zeiten gesehen. Betrieben wird es von Mozarts...

In der Balance gehalten

Anlass war eine Hochzeit. Der Herzog von Parma, Enkel von Louis XV., ehelichte die Erzherzogin von Österreich, Marie-Amélie, ihres Zeichens Schwester von Marie-Antoinette – eine Art europäisches Verwandtschaftskomplott sozusagen. Der Hof von Parma hatte Christoph Willibald Gluck mit den musikalischen Festlichkeiten beauftragt, zumal die Braut mit dem Komponisten...

Machtkampf nach Noten

«Matilde di Shabran» (1821) gehört zu den unbekannteren Rossini-Opern, die jedes Pub­likum in Wonnetaumel versetzen, wenn man sie besetzen kann. Da ist keine Nummer, die nicht zündet. Die Fantasie, mit der Rossini seine bekannten Schemata immer wieder neu ausleuchtet und zum «Sprechen» bringt, beschert Vergnügen. Und manchmal schießt seine Inspiration in ungeahnte...