Hochzeit im Wahn
Längst nicht alle Quereinsteiger bringen der Oper die erhoffte Blutzufuhr. Von Philipp Stölzl ist sie indes mehr und mehr zu erwarten. Seine dritte Inszenierung – nach dem Meininger «Freischütz» und dem arg frühzeitigen Salzburger «Benvenuto Cellini» – nährt die Neugier aufs Kommende. Bildertheater – einstweilen sein Markenzeichen – ist auch dieser Gounod’sche «Faust» in Basel. Und Rahmenerzählung.
Dieweil Faust, als grausträhniger Clochard an seinem Krankenstuhl verkabelt, mühsam seine Runden dreht, wird Marguerite, an einer Bahre festgeschnallt, einhergekarrt: so wie am bitteren Ende wieder, bevor ihr die finale Giftspritze verabreicht wird und Faust sich über ihrer Leiche krümmt. Bis dahin ist die Inszenierung dichter und dichter geworden. Auch wenn in der Winterlandschaft des zweiten Teils immer wieder der Eindruck entsteht, die Faust-Zwillinge – Mephisto ist auch hier eine Abspaltung, das dunkle Innere des Titelhelden – eilten, erst in Glitzeranzügen, dann in schweren Pelzmänteln (Kostüme: Ursula Kudrna), durch eine kaum verbundene Nummernrevue, durch ein Hit Hopping auf wackligen dramaturgischen Füßen.
Ein wesentlicher Pfeiler dieser Gounod-Deutung ist der Rekurs auf die ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Auf der Riesenbühne des Nationaltheaters ein kleines Barocktheater nachbauen zu wollen, ist schlicht absurd. Aber da Münchens neuer «Tamerlano» mit Drottningholm koproduziert wurde, verfielen Regisseur Pierre Audi und Bühnen- und Kostümbildner Patrick Kinmonth auf die Idee, einfach ein paar grüne, goldverzierte Portalhänger in den Bühnenraum einzupassen. Dazu...
Schade, dass Stephan Suschke sich erst im zweiten Teil des Abends darauf besann, dass Opernregie mehr bieten sollte als ausgefeilte Dialoge und ein paar bühnenwirksame Auftritte. Heinrich Marschners romantische Oper «Der Vampyr» hatte auf den Tag genau 180 Jahre nach der Leipziger Uraufführung in Würzburg Premiere – in jener Stadt also, wo der junge Richard Wagner...
Erlöste Welt, kristallklar
Hartmut Haenchen entdeckt an der Pariser Opéra Bastille Wagners «Parsifal» neu
Wagner, sagt Hartmut Haenchen, tickte deutlich schneller, als dessen durch wagnerianische Fürsorge gefestigter Ruf uns heute glauben macht. Schon für seinen Amsterdamer «Ring»-Zyklus hatte der Dresdner Dirigent die Originalquellen studiert – und zwar nicht nur...
