Mit leichter Hand
Man mag an der nur dreijährigen, mit Ablauf dieser Spielzeit schon zu Ende gehenden Bremer Intendanz von Hans-Joachim Frey manches auszusetzen haben – eines muss man dem Kurzzeit-Manager zugute halten: seinen Einsatz für die Moderne. Die dritte Uraufführung präsentierte er nun seinem hanseatischen Publikum, das ihm bereits bei den ersten Teilen dieser Trias nicht etwa die Gefolgschaft verweigert hatte, sondern ins Neue Schauspielhaus geströmt war.
Was auch diesmal kaum anders sein dürfte: Bernd Redmanns «Die Gehetzten», als «musiktheatrale Farce» untertitelt, verspricht nicht nur ein künstlerischer, sondern auch ein Kassenerfolg zu werden.
Dabei biedert sich das 90-Minuten-Werk nicht an. Es ist eine klug gemachte, kenntnisreiche Collage, in der es um die Scheinhaftigkeit unserer heutigen Lebensart geht. Die Presse, das Finanzwesen, die Religion, das omnipräsente Internet – alles bekommt sein Fett weg in teils satirischer, teils komödiantisch spöttischer, dabei durchaus nicht immer klischeefreier Form. Frech, aggressiv und witzig gemacht, bisweilen auch blasphemische Kalauer nicht scheuend, wenn es im pervertierten Glaubensbekenntnis etwa heißt: «Oh heiliges Datennetz, web uns ein ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Eigentlich liegt die Passionszeit hinter uns. Eigentlich sollten wir uns mit freiem Blick und geläutertem Herzen auf das Pfingstwunder freuen. Auf jene magische Geschichte vom Heiligen Geist, der in die Jünger fährt und ihnen die Gabe verleiht, sich in allen Sprachen zu verständigen. Doch was der Kirchenkalender verkündet, gilt schon längst nicht mehr für die...
«Verfluchte Körper, Gerettete Seelen» weht auf der Spielplanflagge, unter der Nikolaus Bachler die Bayerische Staatsoper in dieser Saison verrucht-schön segeln lässt. Die geschmeidige Höllenmetaphysik gilt für Mozart und Puccini, und sie soll das Publikum auch dann berühren, wenn es eine sperrige Novität oder eine fromme Bizarrerie erlebt – nach Peter Eötvös’...
Wohin geht das Musiktheater heute? Mit sechs Produktionen – drei Reprisen und drei neuen Stücken – bot die diesjährige MaerzMusik der Berliner Festspiele Gelegenheit, über diese Frage nachzudenken. Matthias Osterwold, Künstlerischer Leiter des Hauptstadt-Festivals, hat das Prädikat «Neue Musik» (mit großem N) vor neun Jahren durch das bescheidenere «aktuelle Musik»...
