Langer Atem
Schon nach den ersten Takten ist klar, wer im neuen Hallenser «Don Carlo» den Ton angibt: So tonschön und ausdrucksstark ist der Klang, den der neue Chefdirigent Karl-Heinz Steffens mit seiner Staatskapelle formt, dass man ihm später kleinere Probleme wie das gelegentliche Übertönen der Sänger oder Koordinationsschwächen in den großen Chorszenen gern verzeiht. Das wird sich ohnehin bald geben, denn Steffens, der in der letzten Spielzeit noch als Soloklarinettist bei den Berliner Philharmonikern amtierte, entwickelt sich gerade im Turbotempo zum Operndirigenten.
Aus der Hauptstadt hat er offenbar auch sein Klangideal mitgebracht, das sich an Orchestern wie der Berliner Staatskapelle mit ihrem dunkel samtigen Streichertimbre, dem gedeckten Bläser-Sound und der sinfonischen Tiefenstaffelung orientiert.
Für «Don Carlo» ist das kein schlechter Ansatz – Verdis Inquisitionsdrama braucht einen langen Atem, damit neben den persönlichen Schicksalen auch eine zeitlose Dimension fühlbar wird. Die sichert Steffens auch durch eine präzise, rhythmisch agile Artikulation der kleinen Begleitfiguren in den Streichern, die so die kristalline Kantigkeit von Körnern in einer Sanduhr gewinnen. Verdis ...
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