Gemäßigte Windstärken
Viele regieführende Frauen haben der Operninterpretation namentlich in Deutschland seit einem Vierteljahrhundert beträchtlichen Auftrieb verliehen, zuweilen mit durchaus spezifischen Perspektiven eines nicht allzu eng zu definierenden «weiblichen» Blicks. Diesen reklamiert auch Aurelia Eggers für sich und ihre Saarbrücker Inszenierung des «Fliegenden Holländer». Doch in der Ausführung erweist sich die Konzeption als zu wenig rund, zu unentschlossen zwischen psychologisierendem Naturalismus auf der einen, Oratorium und Mysterienspiel auf der anderen Seite.
Ins Abstrahierend-Überhöhte lenken die meist statuarischen Chorauftritte ebenso wie das mit einem beweglichen Spiegelelement ausgestattete Bühnenbild von Stephan Mannteuffel, das mit den zwei geknickt aufragenden Ofenrohren eher skurril als gelungen daherkommt.
Hiroshi Matsuio – ein sonorer Daland – tritt anderthalb Akte lang wie Johannes Heesters als Champagnergraf auf (Kostüme: Veronika Lindner), um danach kurios zum Landjunker zu mutieren. Spielopernhaft pointiert erscheint seine Beziehung zu Judith Brauns Mary, einer auf Glitzerzeug scharfen, herausgehoben eleganten Erscheinung. Ungewöhnlich deftig auch die Dauerhatz der ...
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Opernwelt Februar 2015
Rubrik: Panorama, Seite 39
von Hans-Klaus Jungheinrich
Seit dem Niedergang der Phonoindustrie sind es vor allem die Interpreten und Institutionen selbst – Opernhäuser, Orchester, Rundfunkanstalten –, die sich um die Veröffentlichung und Vermarktung ihrer Produkte kümmern. Dazu gehört auch der reiche Schatz an älteren Aufnahmen, der vor allem in den Archiven der Funkanstalten schlummert. Das französische Institut...
Es war ein Traum. Und eine Riesenanstrengung. Aber auch ein Sog, der alle mitriss. Noch immer klingt sie nach, die «Wiederentdeckung» der Opernsaison 2012/13, Meyerbeers letzte Grand opéra. Als Bernhard Helmich und Frank Beermann vor rund zehn Jahren beschlossen, das unter dem Namen «L’Africaine» bekannte Schmerzenskind des Komponisten endlich in der ursprünglichen...
Schlimmer hätte es für ihn nicht kommen können: Von den Nazis als «entartet» gebrandmarkt, von den Stalinisten als zu «formalistisch» eingestuft, durfte der 1893 geborene tschechische Komponist Alois Hába erst kurz vor seinem Tod erleben, dass seine vierteltönigen Experimente von der Nachkriegsavantgarde aufgegriffen wurden. Diesen historischen Umständen ist es...
