Immer auf Linie
Unter den bedeutenden Primadonnen von heute nimmt die Georgierin Iano Tamar eine Sonderstellung ein, da sie weder den reinen Schönsängerinnen noch den erklärten Ausdruckskünstlerinnen zuzurechnen ist, vielmehr mit einiger Konsequenz die Synthese aus Belcanto und Musiktheater angestrebt und gefunden hat.
Ihr Interesse gilt den extremen Charakteren (Medea, Abigaille, Lady Macbeth), die sie aber stets «auf Linie», ohne veristische Ausbrüche singt, andererseits den empfindsamen, eher passiven Frauenrollen (Rossinis Desdemona, Elisabetta in «Don Carlos»), deren lyrischen Schmelz sie mit dramatischem Pulsschlag vermittelt.
Durch glückliche Umstände ist sie schnell in der ersten Reihe angekommen. Seither hat sich ihre Karriere stetig, aber unspektakulär entwickelt, es gab nie einen «Hype», der durch Plattenfirmen oder ehrgeizige Agenten ausgelöst wurde. Das hat es der Sängerin erlaubt, unbeirrt ihren eigenen Weg zu gehen. Wir treffen uns in Berlin während einer Vorstellungsserie von «Andrea Chénier» an der Deutschen Oper, sprechen über ihre Rollen, ihre künstlerischen Auffassungen und über wichtige Begegnungen mit Dirigenten und Regisseuren. Eher zierlich von Gestalt, ist Iano Tamar ein ...
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Frau Johansson, die «Frau ohne Schatten» berührt ein Thema, das für jede Sängerin heikel ist: das Kinderkriegen. War das für Sie persönlich auch ein Thema?
Ach, zum Kinderkriegen hatte ich während meiner ganzen Karriere niemals Lust. Ich habe mich da an den Spruch meiner Kollegin Birgit Nilsson gehalten «Man kann nicht beides: Mehl im Mund haben und blasen.»
Sie...
Die keusche Jungfrau kommt von rechts. Irrlichternd ihr Blick, ängstlich an den Körper gepresst Hände und Gebetbuch, unsicher der Gang. Kein Zweifel, sie fühlt sich unwohl in diesem Umfeld, inmitten der Heiden, unfrei, beklommen. Zum Glück ist da ein Stuhl, er bietet Schutz, aber nur für Sekunden. Denn sofort nimmt direkt neben ihr breitbeinig der römische...
Gemäuer, Weinlaub, schiefe Treppen, hinten leuchtet die Toscana. «Kinder, mit Schrotgewehren erschossen, von Baggern überrollt, von Dynamit zerfetzt…» Es ist schön hier, es gibt keinen schöneren Ort als Montepulciano. Die Mafia ist fern, möchte man glauben, aber nun steht da Luciano Violante und rezitiert zu den Tönen eines kleinen Ensembles. Seine Bodyguards haben...
