Das ewige Problemkind
Es ist ein Kreuz mit schlechten Libretti. Sie können ganze Opern, aller musikalischen Qualitäten ungeachtet, in die Vergessenheit stoßen, und können umgekehrt – ihrer mäßigen, um nicht zu sagen schlechten literarischen und stofflichen Verarbeitung zum Trotz – manchen Meisterwerken einfach nichts anhaben. Das Textbuch zu Verdis «Trovatore» ist gewiss der letzteren Kategorie zuzurechnen, Puccinis «Edgar» der erstgenannten.
Als literarische Vorlage für Puccinis zweite Oper diente Alfred de Mussets tragisch-dramatisches Poem «La coupe et les lèvres», 1832 erstmals veröffentlicht in der Sammlung «Un spectacle dans un fauteuil». Librettist Ferdinando Fontana, der bereits das Textbuch zu Puccinis Bühnen-Erstling «Le Villi» verfasst hatte, musste nicht nur Mussets ausbordende Handlung operngerecht minimieren, sondern verlegte auch den Schauplatz des Geschehens in ein flandrisches Dorf nahe der heute belgischen Stadt Kortrijk, wo im Jahr 1302 die Flamen der französischen Armee eine jähe Niederlage zufügten. Es ist die merkwürdig krude Geschichte um Edgar, der zwischen zwei Frauen Fidelia und Tigrana steht, in besagte Schlacht zieht und als vermeintlich Toter zurückkehrt. Doch bei ...
Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo
Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
- Alle Opernwelt-Artikel online lesen
- Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
- Lesegenuss auf allen Endgeräten
- Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt
Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen
Am ersten Novembertag ist es bitter kalt in Kopenhagen. Ein Eisregen bläst schneidende Winterluft durch die Straßen, richtig hell wird es ohnehin nur noch für ein paar Stunden. Auf dem Rathausplatz schrauben Arbeiter die Bühne für die Verleihung der MTV-Awards am nächsten Abend zurecht. Schon jetzt ist die Stadt zum Bersten gefüllt mit blasshäutigen Teenagern,...
Zu den seltsamsten Blüten des MozartJahrs gehört die in Münster uraufgeführte Oper «Fintenzauber» der beiden Luxemburger Nico Helminger und Camille Kerger. Helminger hat sich aus Mozarts Opern neun Figuren, darunter den Transvestiten Papagenoa, zusammengeklaubt und in einen Plot verwickelt, wie er einfältiger nicht erfunden werden kann. Der Medien- und Modezar...
Eine Verdi-Dublette und alles andere als ein Unglück. Zwei aufeinander folgende Premierentage, zwei unterschiedliche Werkphysiognomien, zwei Annäherungen, die nichts miteinander gemein haben: «Don Carlo», die vieraktige Fassung von 1884 auf Italienisch in Freiburg – und «Don Carlos», eine auf der Pariser Urversion fußende fünfaktige auf Französisch in nächster...
