Molto Moderato

«La traviata» aus Glyndebourne unter Mark Elder

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Alles fließt, alles strömt dahin. Die Geschichte, die Bilder, die Inszenierung. Tom Cairns hat nach rund einem Vierteljahrhundert im vergangenen Sommer die erste neue «Traviata» für das Glyndebourne Festival inszeniert (siehe OW 9/2014). Doch leider fehlt der Produktion jeder Fokus: auf Gesellschaftskritik, auf die Welt des Geldes und Scheins, auf die privaten Katastrophen. Vieles verharrt, von Austatterin Hildegard Bechtler moderat in die Gegenwart transferiert, im Gefälligen, stimmungsvoll beleuchtet.

Ähnlich moderat die musikalischen Farben.

Michael Fabiano gestaltet Alfredo als jungen, naiven Verliebten; kein Feuerkopf, kein Visionär, weder darstellerisch noch sängerisch. Tassis Christoyannis, der Germont père, steht für ein Dazwischen: nicht balsamisch, nicht autoritär. Man nimmt dem Mann nicht wirklich ab, dass die Würde jederzeit in Hartherzigkeit umschlagen kann. Eher ein umgänglicher Typ als einer, der Schicksalsfäden spinnt. Zumal es der Baritonstimme an Tiefe fehlt, an Wärme, Volumen, Schattierungen. Unter den Primarii sticht Venera Gimadieva hervor. Ihr Sopran überzeugt durch Präsenz und Strahlkraft, ebenso durch kluge Steigerungen, er klingt elastisch und geschmeidig, ...

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Opernwelt September/Oktober 2015
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 47
von Christoph Vratz

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