Szenisch verschenkt
Knuddelig schauen sie aus, die drei Bernhardiner! Sie tragen zwar Prothesen, doch schließen wir sie deswegen umso inniger ins Herz. Leider sind die fantastischen Drei nicht echt, sondern nur Einrichtungsgegenstände, uns vage bekannt aus Haushalten von Zeitgenossen, die viel Geld und wenig Geschmack haben.
Wollte Regisseur Mariano Pensotti damit auf die «herrschende Klasse» verweisen, deren Privilegien er im Programmheft ebenso geißelt wie das «System juristischen Unrechts» und die Zurichtung des «weiblichen Körpers als Schlachtfeld» durch das Patriarchat? Dann hätte er nicht nur die falsche Rasse gewählt. Denn in Alberto Ginasteras 1971 uraufgeführter, letzter Oper symbolisiert das Hundegebell namenloses Grauen. Wer diese Kreaturen unbedingt auf die Bühne bringen muss, sollte wenigstens Dobermänner nehmen, wie es vor drei Jahren Alejandro Tantanian in seiner meisterlichen Inszenierung am Teatro Colón in Buenos Aires getan hat. Wirklich nötig ist es allerdings nicht, birgt doch schon Ginasteras Partitur all den Horror eines Sujets, das die Knechtung und Vergewaltigung der jungen Beatrix durch ihren Vater zum Inhalt hat, samt Rachemord und finaler Hinrichtung, begleitet von ...
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Opernwelt Mai 2019
Rubrik: Panorama, Seite 48
von Volker Tarnow
Jubilare
Giorgio Zancanaro studierte in seiner Geburtsstadt Verona bei Maria Palanda und wurde 1969 beim Wettbewerb «Voci Verdiane» in Busseto entdeckt. Sein Debüt gab der Bariton ein Jahr später als Riccardo in Bellinis «I puritani» in Mantua. Daraufhin rissen sich die großen Opernhäuser Italiens um ihn. Zancanaro gelang es, u. a. als Giorgio Germont in «La...
«Ins Feld! Ins Feld! / Zur Schlacht! / Zum Sieg! Zum Sieg! / In Staub mit allen Feinden Brandenburgs!» Der missverständliche und in der Tat ja nicht erst von den Nazis missbrauchte Schluss war schon für Ingeborg Bachmann ein Problem, als sie 1958/59 für Hans Werner Henze Kleists Schauspiel «Der Prinz von Homburg» als Operntext einrichtete. Bewusst implantierte sie...
Ganz verschwunden war sie nie, die abgöttische Verehrung großer Sängerinnen und Sänger. Von der Hysterie, die im 18. Jahrhundert Auftritte des Kastraten Carlo Broschi (Farinelli) oder der Primadonna Francesca Cuzzoni begleitete, bis zum Tenorissimo-Taumel um Enrico Caruso oder zur Assoluta-Verklärung der Callas im 20. Jahrhundert reicht diese frenetische...
