Komponierte Regie
Das von Richard Erkens in der Komponisten-Reihe der Verlage Metzler und Bärenreiter herausgegebene «Puccini-Handbuch» schafft endlich die Grundlage für eine vertiefte Beschäftigung mit dem jahrzehntelang nicht nur in Deutschland unterschätzten populären Musikdramatiker. Es macht Schluss mit der hochmütigen Verachtung durch die Gebildeten, aber auch mit der Vernachlässigung durch die akademische Musik- und Theaterwissenschaft.
Dem Herausgeber Richard Erkens und seinem kompetenten Mitarbeiter-Team ist es gelungen, nicht nur den inzwischen erreichten Stand der internationalen Forschung kompakt auf fast 500 engbedruckten Seiten zusammenzufassen, sondern auch darzustellen und zu erklären, warum Puccini mehr ist als ein «Genie der Sentimentalität» (Strawinsky) und wie seine Werke auf der Bühne funktionieren.
Die insgesamt 36 Kapitel spannen einen weiten Bogen, der vom politischen und ästhetischen Kontext der Zeit über die musikalischen und theatralen Prinzipien des Werks bis hin zu Fragen der Interpretation und Rezeption reicht. Herzstück ist, wie stets in den Bänden dieser Handbuch-Reihe, der Werkteil, der in perspektivenreichen Einzelartikeln neben den zwölf Opern auch das Frühwerk ...
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Opernwelt Juli 2018
Rubrik: Hören, Sehen, Lesen, Seite 26
von Uwe Schweikert
Frau Steier, Sie wollten ursprünglich Sängerin werden, haben am Oberlin Conservatory in Ohio in den 1990er-Jahren ein komplettes Studium absolviert. Warum ist daraus nichts geworden?
Ich hatte einfach nicht die Nerven für diesen Beruf. Das Singen an sich war nicht das Problem. Erst recht nicht das Spielen auf der Bühne. Aber beides zusammen? Da bin ich immer in...
Der Vorhang fließt zur Seite, und was hören wir? Musik jedenfalls nicht. Nur ein hässliches, elektronisch verstärktes Schaben, verursacht von einem Greis, der im schwarzen Lederanzug an gedeckter Miniaturtafel sitzt und mit höchster Mühe seinen Stuhl zurechtrückt. Verwundern darf diese Quälerei nicht, schließlich ist Hieronymus Makropulos biblische 375 Jahre alt....
Und dann kommt er. Endlich. Unvermeidlich. Definitiv. Der lang erwartete, unvergessliche Augenblick der Leidenschaft. Mitten im Museum, gerahmt von lauter marmornen Venus-Büsten und kühl-mondänen Sitzschalen (Bühne: Wolfgang Kurima Rauschning). Wohlige Weltsekunde, in der die aparte Gesellschaftsdame und ihr modebewusster Galan einander die Liebe gestehen in...
