Modernes Lehrstück
Francis Poulencs 1957 an der Mailänder Scala uraufgeführte Oper über die Hinrichtung der sechzehn Karmelitinnen von Compiègne während der Französischen Revolution erlebt gegenwärtig an deutschen Bühnen eine erstaunliche Renaissance. Poulenc verknüpft das historische Geschehen mit der von Gertrud von Le Fort hinzuerfundenen Geschichte der jungen Blanche de la Force, die in den Orden eintritt, um ihre existenzielle Angst zu überwinden.
Nach dem Verbot des Ordens findet Blanche in ihrem ehemaligen Vaterhaus Zuflucht als Magd; als sie hört, dass alle ihre Mitschwestern zum Tode verurteilt sind, folgt sie ihnen und besteigt als Letzte freiwillig das Schafott. Im Tod – dies Poulencs Botschaft – überwindet Blanche ihre Angst und nimmt ihr Leben an.
Das Stück ist musikalisch ein Meisterwerk und szenisch für die unterschiedlichsten Deutungen offen. Guy Joosten hält in seiner Düsseldorfer Inszenierung gleichermaßen zu den Extremen der Aktualisierung wie der Dekonstruktion Abstand (wie sie exemplarisch Benedikt von Peter in Basel vorführte – siehe OW 5/2009), ohne beim Naturalismus Zuflucht zu suchen. Johannes Leiackers leere, abstrahierende, mit einer großen weißen Leinwand abgeschlossene ...
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