Respektabel

Anna Netrebkos New Yorker Lucia auf DVD

Opernwelt - Logo



Der Coup dieser Fernsehproduktion aus der Met ist der Einsatz von Natalie Dessay als Moderatorin. Sie war zwei Jahre zuvor die Premieren-Lucia und stellt (oder besser: führt?) jetzt ihre Nachfolgerin vor: «The great Russian soprano Anna Netrebko». Sie gratuliert ihr erst zum Baby und lässt einfließen, dass sie deren schon zwei habe, fragt sie nach den Schwierigkeiten der Partie, die sie selbst schon oft gesungen habe, und erntet erwartungsgemäß unverbindliche Antworten.

Schließlich entlockt sie Netrebko – im Beisein des Tenors! – das Geständnis, dass ihr die Szene mit dem Bariton die liebste im Stück sei und dass sie Mariusz fantastisch finde. «Ich auch», pflichtet Dessay bei. Eine nette, scheinbar arglose Schlange. Primadonnen unter sich. Wirklich zum Schmunzeln. Doch auch die Aufführung selbst hat Unterhaltungswert.
 

 Die vom Schauspiel kommende Regisseurin Mary Zimmerman verlegt die Handlung aus dem 17. Jahrhundert in die viktorianische Epoche und schafft ihrer Fantasie damit Freiräume. Zwar gelingt es ihr nur in Ansätzen, die Figuren aus der Schablone zu befreien, aber mit einigen unverbrauchten Einfällen versteht sie es, sowohl die Schauerromantik als auch die Gattung Oper ...

Weiterlesen mit dem digitalen Monats-Abo

Sie sind bereits Abonnent von Opernwelt? Loggen Sie sich hier ein
  • Alle Opernwelt-Artikel online lesen
  • Zugang zur Opernwelt-App und zum ePaper
  • Lesegenuss auf allen Endgeräten
  • Zugang zum Onlinearchiv von Opernwelt

Sie können alle Vorteile des Abos
sofort nutzen

Digital-Abo testen

Opernwelt Januar 2010
Rubrik: Medien / DVDs, Seite 23
von Ekkehard Pluta

Vergriffen
Weitere Beiträge
Ritual und Realismus

Es ist bereits die fünfte Strauss-Produktion der Ära Valery Gergiev. Und es ist eine Erfolgsgeschichte für das Mariinsky Theater. Die Wagner-Primadonna des Hauses, Larissa Gogolewskaja, wurde für ihre brillante Darstellung der Titelpartie in «Elektra» (2007) mit dem renommierten Preis «Die goldene Maske» ausgezeichnet. Das britische Regie-Team hinterließ bleibende...

Systemausfall

Wahrlich ein Superlativ. So spät haben die ungekürzt an einem Abend gegebenen «Trojaner» von Hector Berlioz sicher noch nicht angefangen. Es beginnt – wie in Spanien üblich – eisern um acht Uhr abends, und so gegen ein Uhr nachts kann dann endlich die Karthagerkönigin Dido in einem seltsamen Geisha-Look ihren hier aus Laptops errichteten Scheiterhaufen besteigen,...

Griff zum Welttheater

Gegen Jeffrey Chings Musiktheater ist Puccinis «Turandot» ein Waisenkind. Die Grausamkeiten der chinesischen Prinzessin stehen zwar bis auf eine kurze Szene zu Beginn in der unsichtbaren Vorgeschichte. Hier aber werden ganze Familien und Dynastien auf der Bühne hingemordet, sogar Neugeborene bleiben nicht verschont, nur weil ein machtgieriger Hofbeamter zur...